Programmhinweis: „Die Sektenkinder – Streit ums Kindeswohl“

Heute schau ich mal wieder über den Tellerrand hinweg und möchte auf den zweiten Teil der Reportage „Die Sektenkinder – Streit ums Kindeswohl“ hinweisen. Die Reportage wird am 4. April 2013, um 22.30 Uhr im WDR-Fernsehen ausgestrahlt. Insbesondere diese Fragestellung der Reportage scheint auch für das Kindsein in Scientology interssant zu sein.

Menschen hautnah Autorin Beate Greindl hat beeindruckende Szenen aus dem Leben der Sekte eingefangen. Nach Schätzungen gibt es in Deutschland etwa 200 000 Sektenkinder. Jugendämter tun sich schwer bei der Abwägung: Wann muss der Staat einschreiten, weil das Kindeswohl gefährdet ist? http://www.wdr.de/tv/menschenhautnah/sendungsbeitraege/2013/0404/sektenkinder2.jsp

Weitere Infos zur „alten“ Reportage „Die Sektenkinder“ findet sich hier.

Reportage: „Die Sektenkinder“

Gestern Abend lief im WDR „Hautnah“ eine Reportage über die Sekte „Weltdiener“. Diese Sekte steckt noch in ihren „Anfangsschuhen“ und hat bedingt erlaubt, dass ein Reporter Team des WDR den Alltag der Sektenkinder filmen durfte. Natürlich nur mit dem Einverständnis und der Kontrolle ihres Gurus.

http://www.wdr.de/tv/menschenhautnah/sendungsbeitraege/2012/1025/sektenkinder.jsp

Erschreckend ist, dass es, wie in jeder Sekte, Parallelen zu der Kindererziehung in Scientology gibt.

Auch für diese Sekte sind „Kinder kleine Erwachsene“, die auch genauso behandelt werden und z.B. das gleiche vom Guru geforderte Arbeitspensum erledigen müssen, wie die Erwachsenen. Der einzige Unterschied, zu den scientologischen „Cadet (Sea) Org Kindern“ besteht in der Art und Weise der Arbeit. Sektenkinder haben keine oder kaum Freizeit, müssen auf vieles Verzichten, was „normale“ Kinder haben, nämlich eine Kindheit. Auch stehen sie häufig unter Stress und Schlafmangel. Nur um ein vermeindliches späteres „Seelenheil“ zu erlangen. Bei Scientology sind es die von Hubbard erfundenen operierenden Thetane, der Guru der „Weltdiener“ hat irgendeinen anderen „Blödsinn“ erfunden.

Die Eltern sind den Lehren ihres Gurus hörig, sie haben kein Verständnis und keine Zeit mehr für ihre Kinder. Nur ihr Seelenheil und die Erweckung der Welt steht im Vordergrund. Alles andere ist nebensächlich.

Bewußt hält der Guru, genauso wie bei Scientology, dass Selbstbewußtsein der Kinder gering und er spielt mit ihrer Angst. Mit der Angst, dass sie, wenn sie nicht so funktionieren, wie es die Sekte oder Guru will von ihren Eltern getrennt werden, als „böse“ abgestempelt werden. Bei Scientology als PTS oder SP. Auch die Außenwelt wird als böse und gefährlich abgestempelt. Kritiker und kritische Famlienangehörigen gehören ebenfalls zur gefährlichen Außenwelt.

Die Kinder müssen ihrem Meister unbedingt und bedingungslos gehorchen, da bleibt kein Raum für kritisches Denken.

Sollten die Kinder die Sekte verlassen würde schlimmes mit ihnen geschehen, wird ihnen erzählt und sie würden tatsächlich komplett von ihrer Familie getrennt, auch dies ist eine Parallele zu Scientology und anderen Sekten.

Sicherlich finden sich noch mehr Gemeinsamkeiten. Die Kontroll- und „Arbeitsfunktionen“ einer Sekte funktionieren überall recht ähnlich. Auch die Manipulationen der Kinder, wie es z.B. Siegfried Hamm (der mir in einer Mail schrieb, dass er aus heutiger Sicht noch drastische Folgen beschreiben würde) oder aber wie Kurt- Helmuth Eimuth beschrieb.

Letztendlich ist die Frage, inwieweit das Recht der Eltern geht. Haben die Eltern das Recht ihre Kinder auf Grund ihres „Glaubens“ psychisch zu missbrauchen oder sogar ihr Leben zu gefährden, haben sie wirklich das Recht hierzu? Haben sie ein Recht dazu, ihre Kinder an eine Sekte  zu verkaufen?

Meine Einschätzung ist, dass Eltern kein Recht dazu haben. Für mich ist dies eindeutig ein psychischer Kindesmmisbrauch und eine Kindeswohlgefährdung liegt vor.

Die Sekteneltern sind genauso abhängig, wie Menschen, die Drogen nehmen. Sie können nicht mehr für sich vernünftig sorgen und erst recht nicht für ihre Kinder. Sie brauchen dringend Unterstützung vom Jugendamt und wenn sie nicht freiwillig mitarbeiten, muss dies halt Zwangsweise von einem Gericht durchgesetzt werden. Dabei muss dem Gericht klar sein, dass es hierbei nicht mehr um Religionsfreiheit geht. Gerade solche Kulte sind keine Religion und Eltern müssen sich hier zwischen der Sekte und dem Wohl ihrer Kinder entscheiden. So wie sich Drogenabhängige ebenfalls entscheiden müssen.

Ich hoffe, dass die Behörden nun bei den „Weltdienern“ tätig werden. Sie haben schon viel zu lange zugesehen und ich denke, dass bei diesen Kindern schon schwere psychische Störungen vorliegen.

Edit: Mittlerweile hat sich eine FB – Gruppe gebildet. http://www.facebook.com/Sektenkinder

Die fehlende Identitätsbildung bei Kindern und Jugendlichen in Sekten nach Kurt-Helmuth Eimuth

Ein wichtiger Aspekt der psychischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Sekten ist die fehlende Identitätsbildung. Dieses Entwicklungsdefizit kann innerhalb aller Sekten beobachtet werden.

Kurt – Helmuth Eimuth hat in seinem Buch „Die Sekten-Kinder“ eine Erklärung für die fehlende Identitätsbildung entwickelt. Alle folgenden Zitate stammen aus Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220 -224, auch ist dieser gesamte Text eine gekürzte Darstellung des von Kurt – Helmuth Eimuth entwickelten Erklärungsansatzes und in dem oben genannten Buch in ausführlicher Form zu finden.

Für diesen Erklärungsansatz ist es wichtig die unterschiedlichen religiösen Entwicklungsstufen darzustellen, die in der Regel ein jeder Mensch in seiner Entwicklung durchlebt.

1. Entwicklungsphase (magisch-numinose Phase):

Diese beginnt am Anfang der kindlichen Entwicklung. In dieser Stufe werden die Symbole magisch interpretiert.

„Der Löwe ist eben keine Zeichnung, sondern es ist das angsteinflößende Tier, vor dem man sich unter dem Bett versteckt. Realität und Abbild werden nicht unterschieden.“ (Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220)

2. Entwicklungsphase (eindimensionales-wörtliches Verstehen):

Diese Phase beginnt etwa mit der Einschulung der Kinder. Dieses Entwicklungsstadium ist gekennzeichnet

„… durch das `wörtliche´ Verständnis religiöser Symbolik… Ein zweiter Sinn, etwa Wasser als Symbol für Leben, wird nicht gefaßt… Allerdings werden schon im Gegensatz zur ersten Phase andere Welten angenommen. Wissenschaftliche Weltbilder sind schon bekannt. Deshalb wohnt Gott jetzt im Weltall und nicht mehr im Firmament, in der Himmelsdecke.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220)

3. Entwicklungsphase (mehrdimensionales-symbolisches Verstehen):

Leider nennt Kurt-Helmuth Eimuth hier kein Alter. In dieser Phase werden Mehrfachdeutungen von Symbolen zugelassen.

„Symbole werden als solche gesehen und akzeptiert. Aber ihre sinnstiftende Deutung läßt keine Kritik zu.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220)

4. Entwicklungsphase (symbolkritisches Verstehen):

Diese Phase beginnt erst ab 16 Jahren. In dieser Phase können die Symbole von ihrem Inhalt getrennt werden. In dieser Phase gibt der Inhalt den Sinn und nicht mehr die Symbolik.

5. Entwicklungsphase (nachkritisches Verstehen):

Der Mensch kann „… sowohl seine kindlichen magischen-numinosen Anteile zulassen als auch die Entmythologischen in Angriff nehmen.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 221)

Die ersten beiden Entwicklungsphasen werden von allen Menschen im Laufe ihrer Entwicklung durchlaufen, jedoch kommen viele Menschen nicht über der Phase des wörtlichen Verständnisses hinaus. Auch viele Gruppen und Sekten sind in diesen beiden Phasen stehengeblieben. Zum Beispiel lassen die Zeugen Jehovas nur das eindimensional-wörtliche Verständnis der Bibel zu.

Die Sekten bieten ihren jeweiligen Anhängern die Möglichkeit, ihre infantile Religiosität zu leben.

„Dabei erhalten die Sektenmitglieder in einem Prozeß der Selbstentledigung…, der Unterordnung unter einem Führer, Gründer, Leitende Körperschaft oder Prophetin, durch Eintauchen und Verschmelzen mit ihrem Ich-Ideal eine neue Identität. Die Sektenidentität läßt sie teilhaben am omnipotenten Führer, Prophetin oder Meister. Dadurch gehören sie zur Elite, die nichts geringeres, als diese vom Untergang bedrohte Welt retten wird.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 221)

Bei den Kindern kann in diesem Bereich auch keine Entwicklung stattfinden, da sie erzogen werden von Erwachsenen, die ihre eigene Identität an die Gruppe abgegeben haben. Den Kindern aus den Sekten werden nicht nur Bildungschancen vorenthalten, der Aufbau der Beziehung zu ihren Eltern erschwert oder gar verwehrt, sondern auch sie werden in ihrer emotionalen Entwicklung behindert. Es kann sein, daß sie über das emotionale Entwicklungsniveau von Grundschulkindern,

„… bei Beibehaltung aller kognitiven Fähigkeiten“ nicht hinaus wachsen. „Dies gilt mit Sicherheit für den religionspsychologischen Aspekt. Ist aber auch für den entwicklungspsychologischen Aspekt anzunehmen.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 222)

Die Kinder wachsen in einer Sekte in einem geschlossenen Sozialsystem auf, was die Entwicklung der Kinder zur Autonomie stark verhindert. Bei diesen Kindern hängt das Selbstwertgefühl von der Teilhabe am „kollektiven Ich“, der Sektenidentität, ab. Diese Sektenidentität hängt wiederum von dem Über-Ich ab, das in Sekten verkörpert wird durch den jeweiligen Führer.

Eine Ablösung vom Elternhaus ist nur möglich, wenn sich das Kind bzw. der Jugendliche von der Sekte trennt. Dieses produziert bei dem Jugendlichen eine psychische Konstellation, die zu schweren inneren Konflikten führen kann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, daß die Kinder, die in die Sekte hineingeboren wurden, die 2. Generation, nie ein anderes Leben kennenlernen durfte. Diese Kinder sind zum Teil nicht in der Lage, eine eigene Identität zu bilden. Sie definieren sich ausschließlich über das Kollektiv.

„Bei der zweiten Generation handelt es sich also nicht um einen Prozeß der Selbstentledigung, sondern um einen Prozeß der Verhinderung von Selbstfindung, es handelt sich um eine systematische Kollektivierung dieses Vorgangs, so daß aus einem Indentitätsfindungsprozeß ein `Kollektivfindungsprozeß´ wird. Auf dem Wege zu Identität können diese Kinder oftmals nur die Gruppenidentität finden. Alle anderen Wege bleiben ihnen verschlossen.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 223f)

Kurt Helmuth Eimuth kommt in seinen Betrachtungen zu folgendem Ergebnis: Die Entwicklungen von „Sekten-Kindern“ zu autonomen Persönlichkeiten darf nicht stattfinden. Diese Kinder werden in ihrer Entwicklung behindert, manipuliert und kontrolliert. Er nennt dieses System eine „Psychische Kindesmißhandlung“. (Vgl. Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 224)

Alle Zitate und Vergleiche aus:

Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220 -224

Keine Zeit für die Familie

Die Eltern haben ebenfalls einen sehr vollen Tagesablauf, in dem Buch „Die Sekten-Kinder“ von Kurt-Helmuth Eimuth wird von einem Ex-Scientologen beschrieben, wie wenig Zeit er für seine Familie und somit auch für seine Kinder hatte.

„Er (Daniel, ein Mann der mit sieben Jahren selbst durch seine Mutter zu Scientology gekommen ist; Anmerkung der Verfasserin) lebte später als Staff-Mitarbeiter in Kopenhagen. Um seine einjährige Tochter konnte er sich aufgrund der Arbeitsanforderungen nicht kümmern… Daniel Fumagalli erzählt: `Es gibt Kinderkrippen, da bringt man sie morgens hin und holt sie nachts wieder ab. Da hatten Eltern nach dem Nachtessen eine Stunde sogenannte Parents oder Familiy time.´ Später kam die Anweisung, die diesen wenigen, aber doch regelmäßigen Kontakt der Eltern zu ihren Kindern weiter einschränkte. Fumagalli: `Es gab da mal eine Anweisung, die besagte, dass für die family time eine Stunde am Tag nicht genug sei. Deshalb solle man besser in dieser Stunde viel produzieren und jeden zweiten Samstag einen Tag frei nehmen, welchen man dann in Ganzheit mit dem Kind verbringen kann. Also in anderen Worten: man sieht das Kind jede zweite Woche für einen Tag und halt nachts, wenn das Kind eh schläft.´“(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S. 86)

Somit obliegt die Erziehung des Kindes der Organisation und nicht mehr den Eltern, so dass es sich daraus zwangsläufig ergibt, dass Scientology den ganzen Tag lang die Kinder manipulieren kann. Gehen die Kinder nicht mehr zu einer normalen Regelschule, sondern zu einer scientologisch geführten Schule im nahen Ausland, lebt das Kind nur noch in der Scientology-Welt und hat keine Chance mehr, etwas anderes kennenzulernen. Scientology-Kinder müssen für die Organisation arbeiten, damit die Welt gerettet werden kann. Somit stehen diese Kinder unter einem starken Leistungsdruck. In einer scientologisch geführten Schule bzw. auch schon in der Nachhilfeschule unterliegt ein Kind diesem Druck, indem es ständig seine Statistik erfüllen muss.

Eine junge Frau, die sich um die Betreuung der Kinder und Jugendlichen in einem scientologischen Zentrum kümmerte, wurde die Anwendung der Statistik folgendermaßen erklärt.

„Die Ethik-Statistik bewertet das Verhalten des Kindes über den ganzen Tag verteilt… Sie wird geführt, um dem Kind zu helfen, das eine bestimmte Schwierigkeit hat. Wenn es seine Sache sehr gut gemacht hat, ist es im Zustand `Power´ und bekommt fünf Punkte, die Höchstzahl. Um auf Power eingestuft zu werden, darf es sich nicht out-ethisch verhalten haben und muß aktiv daran teilgenommen haben, das Überleben von einer oder mehreren Dynamiken zu verbessern. War es nicht ganz so aktiv, hat sich aber trotzdem gut verhalten, ist sein Zustand `Überfluß´, der vier Punkte bringt. Drei Punkte sind `Normal´ und bedeuten nur, daß das Kind nichts Out-Ethisches gemacht hat. Ein bis zwei out-ethische Handlungen bedeuten `Notzustand´, zwei Punkte. Hat das Kind die Gruppe einmal richtig enturbuliert, ist `Gefahr´ angesagt, ein Punkt. Und wenn’s schlimm war, gibt es gar keinen Punkt, weil das Kind den ganzen Tag unvernünftig aufgetreten ist und permanent die Gruppe enturbuliert hat. Der Zustand heißt dann `Nichtexistent´.“(Anonymus, Entkommen-Eine Ex Scientologin erzählt, Reinbeck bei Hamburg, 1993, S.108f.;zitiert nach: Kurt-Helmuth Eimuth, 1997; s.o. S. 90f.

Eine kurze Eklärung am Rande, enturbulieren ist eines von vielen scientologischen Kunstwörtern und bedeutet

„Enturbulieren: Etwas `turbulent´ (wirbelnd ´, stürmisch, aufrührerisch) machen, verwirren, aufregen oder durcheinanderbringen“ Hubbard, Handbuch für den Ehrenamtlichen Geistlichen, Kopenhagen 1980, S. 754; zitiert nach Eimuth, Kurt-Helmuth, 1997; s.o., S. 91

Kindern wird auch der Umgang mit ihren Eltern verboten bzw. den Eltern wird der Umgang mit ihren Kindern verboten, da die Kinder der Grund für die Probleme des Erwachsenen sind. Diese Kinder sind eine „unterdrückerische Person“ für ihre Eltern und behindern das Fortkommen ihrer Eltern in Scientology.(Vgl.: Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S. 83) U.S. Sonntag, der gesagt wurde, dass ihr Sohn eine unterdrückerische Person sei, wurde das von Seiten der Org an einem Beispiel gezeigt.

Unten „…in dem italienischen Restaurant einen Stockwerk tiefer als die Org saß ein kleiner Junge an einem Tisch allein und aß, seine Mutter saß getrennt von ihm an einem anderen Tisch, man sagte mir, der Junge wäre der `Unterdrücker´ seiner Mutter, und die Mutter muß ihn handhaben und sich von ihm trennen, um weiter zu kommen.“(Sonntag-Kuntze, U.S.; a.a.O. Anhang; zitiert nach: Eimuth, Kurt-Helmuth, 1997; s.o. S. 83)

Kurt-Helmuth Eimuth sieht den Begriff „handhaben“, als ein Kontrollieren und Bestrafen des Kindes.(Vgl.: Eimuth, Kurt-Helmuth, 1997; s.o. S. 84) Die Interministerielle Arbeitsgruppe für Fragen sog. Jugendsekten und Psychogruppen berichtet, dass Scientology Kritiker ausführten, daß Kinder bei `Kontaktsperren´ sogar von ihren Müttern getrennt werden, dabei muß sich die Familie den Anordnungen der Scientology unterordnen.(Vgl.: Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe für Fragen sog. Jugendsekten und Psychogruppen vom 30.6.9, Drucksache 11/4643, S. 33; verglichen nach : Eimuth, Kurt-Helmuth, 1997; s.o. S. 84)

Kurt Helmuth Eimuth schlussfolgert weiter, dass die hohe Beanspruchung der Eltern und das Menschenbild Scientologys, das keine Kindheit beinhaltet, zu einer Entfremdung zwischen Eltern und Kindern führt.

Desweiteren wird in dem Buch „Im Labyrinth von Scientology“ von Norbert Potthoff beschrieben, wie ein behinderter Junge von seinen Eltern emotionell vernachlässigt wurde, da er aufgrund seiner Behinderung in einem früheren Leben unethisch gewesen sein muß bzw. er zugelassen hat, daß ihn sein Zwillingsbruder während der Schwangerschaft „behindert gemacht hat“.

„Christian ist Jens´ Sohn aus erster Ehe. Viel weiß ich (Norbert Potthoff; Anmerkung der Verfasserin) nicht über ihn. Ab und zu sehe ich ihn mal auf dem Flur der obersten Etage, aber meist ist er in seinem Zimmer versteckt. Er ist gehbehindert, macht aber einen netten Eindruck. `Also es gibt da einiges was du wissen solltest´ erklärt Beate (die „Stiefmutter“; Anmerkungen der Verfasserin)`Christian und Hilmar sind Zwillinge und das, was Ron als Black beeings, als schwarze Wesen bezeichnet. Hilmar ist absolut herrisch und autoritär, er hat seinen Zwillingsbruder bereits während der Schwangerschaft so getreten, daß dieser mit einem Hüftschaden zur Welt kam. Aber Christian ist ebenso dafür verantwortlich, denn er hat damit übereingestimmt, hat zugelassen, diesen Schaden zu erhalten. Hilmar haben wir nach Portugal geschickt. Er ist nicht zu handhaben, begeht ständig neue Verbrechen. Christian steckt überwiegend fest in seinem reaktiven Verstand, und nur durch Dauerlauf kann er ab und zu ausrasten. Damit uns seine reaktiven Strömung nicht beeinträchtigen kann, lebt er allein in seinem Zimmer. Nur sein Vater darf mit ihm Kontakt haben.´“(Potthoff, Norbert, Im Labyrinth der Scientology, Bergisch Gladbach, 1997; S. 136)

Dieses zeigt, wie Scientology die Vernachlässigung der Kinder, durch die Ideologie und Zielsetzung mit Hilfe der „abhängigen“ Eltern propagiert. Durch das Anstreben der Weltherrschaft, das „Clearen“ der Welt bleiben schwache Glieder, das sind ohne weiteres Kinder und Jugendliche, Behinderte, besonders behinderte und kranke Kinder, alleine und werden ohne Gefühlsregungen seitens der Erwachsenen und Starken ihr Leben meistern müssen.