Debbie Cook und eine Verurteilung in Frankreich

In diesem Blog werde ich mich mal nicht mit den Kindern beschäftigen, die in Scientology leben und aufwachsen müssen, aber dennoch sind diese Informationen auch positiv für sie.

Viel ist passiert in der letzten Zeit, zum einen hat sich eine hochrangige Scientologin, Debbie Cook, die der Sekte und Hubbard noch treu ergeben ist, sich mit einer Mail an 12 000 OTs (Operierende Thetane) gewandt. In dieser Mail hat sie die „Führungsspitze“ kritisiert. Sehr ungewöhnlich und mutig für eine noch in der Sekte praktizierende Scientologin. Die deutsche Übersetzung der Mail gibt es hier zu lesen.

Die Sekte verklagte nun Debbie Cook, der scientologische Geheimdienst (OSA)wurde auch aktiv, sie versuchten der scientologischen Welt glaubhaft zu machen, dass die Mail nicht von Debbie Cook kam, dann versuchten sie Debbie Cook als eine PTS darstehen zu lassen, in dem sie ihr vorwarfen sie hätte Kontakt zu Kritikern etc. Debbie Cook nahm sich jetzt einen Anwalt mal sehen, wie die ganze Sache ausgehen wird. Zumindest fängt in der Sekte kritisches Denken an, dies ist imo ein kleiner Lichtblick auch für die scientologischen Kinder.

Gestern freute ich mich riesig, dass ein Pariser Berufungsgericht die Verurteilung der Scientology Organisation wegen bandenmäßigen Betrugs bestätigt hat.  Die Frankfurter Rundschau schrieb hierzu:

Urteil gegen Scientology gefallen

Die umstrittene Scientology-Organisation ist in Frankreich wegen bandenmäßigen Betrugs zu insgesamt 600.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Ein Pariser Berufungsgericht bestätigte am Donnerstag eine entsprechende Entscheidung aus erster Instanz.

Paris –

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich zwei Unterorganisationen mit illegalen Mitteln bereichert hatten. Sie sollen unter anderem in den 90er Jahren eine Frau dazu verleitet haben, in kurzer Zeit mehr als 21.000 Euro für Bücher, Medikamente und Kurse zur Lebensbewältigung auszugeben.

Neben der Scientology-Organisation bestrafte das Gericht auch die Drahtzieher der Taten. Zwei Führungspersonen bekamen je eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung und müssen 30.000 Euro Geldstrafe zahlen.

„Das ist eine historische Entscheidung“, kommentierte Olivier Morice, der Anwalt der Anti-Sekten-Organisation Unadfi. Seiner Meinung nach ist das Urteil nur der Beginn eines Weges, der zum Verbot von Scientology führen könnte. Es ist das erste Mal, dass die Organisation in Frankreich wegen bandenmäßigen Betrugs verurteilt wird.

Scientology-Verbot gefordert

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Ursprungsverfahren zunächst ein Verbot von Scientology gefordert. Wenig später wurde allerdings bekannt, dass eine solche Strafe in einem Betrugsfall gar nicht mehr möglich ist. Ein entsprechendes Gesetz war kurz vor Beginn des ersten Prozesses im Jahr 2009 geändert worden.

Scientology wurde 1954 von dem Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard in den USA gegründet. Die Organisation hat ihre Zentrale in Los Angeles und bezeichnet sich selbst als Kirche.Die Bundesregierung sieht Scientology dagegen nicht als Religionsgemeinschaft an. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes enthält die scientologische Programmatik „zahlreiche tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen und für das Ziel der Errichtung einer totalitären Staatsordnung und einer Willkürherrschaft.“ (dpa)

Viel ist passiert in der letzten Zeit und ich finde es schön dabei zuzuschauen, wie dieser Kult langsam aber beständig in seine Schranken verwiesen wird und vielleicht wird er irgendwann ganz verschwinden.

Wie Scientology neue Mitglieder im Internet einfangen will…

Scientology versucht gezielt das Internet für seine Zwecke zu missbrauchen und über dieses neue Mitglieder zu rekrutieren. Hierzu nutzt Scientology unter anderem Soziale Netzwerke, wie z.B. Facebook. Der Verfassungsschutz Baden – Württemberg schreibt hierzu.

Die SO ist auch verstärkt in sozialen Netzwerken im Internet aktiv. Die Hinweise mehren sich, dass eine wachsende Zahl von Jugendlichen unwissentlich zumindest in einen ersten Kontakt zu Gruppen gerät, bei denen es sich um Unterorganisationen der SO handelt. Dieser Hintergrund wird aus taktischen Gründen anfangs oft verschleiert.

Wie versuchen Scientologen, in sozialen Netzwerken Kontakte zu Anwerbezwecken aufzubauen? Bislang ergibt sich nicht der Eindruck, dass Scientology etwa auf breiter Front Teilnehmer sozialer Netzwerke anschreiben würde. Vielmehr bleibt die Intensität und Art der Aktivität wohl dem einzelnen Scientology-Mitglied überlassen. Hierzu ein fiktives Beispiel, das aufzeigen soll, wie es ablaufen könnte:

Bei Facebook erhält eine ,ganz normale‘ Jugendliche – nennen wir sie Katharina – eine „Freundschaftsanfrage“ eines gleichaltrigen jungen Mannes, Patrick, die sie zunächst bestätigt. Oft sind solche Internetkontakte erst einmal sehr oberflächlich. Aber: Durch bestätigte Freundschaftsanfragen erhält der Anfragende sehr häufig Zugriff auf persönliche Daten des Facebook-Profils der Kontaktperson. In unserem Beispielfall könnte es so weitergehen: Katharina tauscht sich im Facebook-Chat intensiver mit dem neuen Bekannten aus. Sie findet Patrick nett und registriert, dass er wie sie denkt und ganz ähnliche Interessen angibt (was kein Wunder ist, schließlich kennt er ihre Interessen und Wünsche von ihrem Facebook-Profil). Sie sieht wiederum auf seinem Profil, dass er eine Gruppe namens „Jugend für Menschenrechte“ gut findet. Über den dort geschalteten Link kommt sie direkt auf die Website von „Jugend für Menschenrechte“. Dort erwartet das Mädchen ein professionell gestaltetes Medienangebot, das speziell auf ein jugendliches Zielpublikum zugeschnitten ist.
„Jugend für Menschenrechte“ ist eine Hilfsorganisation von Scientology. Aber in unserem Beispielfall ist von Scientology immer noch keine Rede. Der junge Mann findet Katharinas Interesse „super“. Er lädt sie zu einem Treffen einer „Jugend für Menschenrechte Ortsgruppe“ mit anderen Gleichaltrigen ein. Wenn sie zu einem solchen Treffen gehen sollte, wird der bislang virtuelle zum ersten persönlichen Kontakt mit Scientology, ohne dass sich die junge Frau dessen bewusst ist.

Junge Menschen sind oft offen für Neues, sehr idealistisch und wollen sich für eine gute Sache einsetzen. Stets besteht hierbei die Gefahr, dass dieser Idealismus von gefährlichen Organisationen missbraucht wird. Die Zahl der Facebook-Gruppen, die auf die SO zurückgehen, ist in den letzten Jahren ständig gewachsen. Sie tragen Namen wie „Parents against Drugs“ oder „Dianetik Freunde“ und richten sich auch an Erwachsene…

Des weiteren wirbt Scientology gezielt im Internet für ihre Organisation, dies sieht man z.B. sehr gut auf Youtube. Dort hat die Organisation einen eigenen Channel, der Werbevideos für die scientologischen Frontgruppen verbreitet. Hier sieht man noch, das es sich um Scientology handelt, aber durch die Verbreitung der Videos durch scientologische „Jünger“ ist dies nicht mehr ersichtlich.

Bei den folgenden Videos handelt es sich um scientologische Werbevideos, dies möchte ich hier noch einmal ausdrückliche betonen. Sie dienen als exemplarische Darstellung der Internet – „Werbemaschine“ Scientology.

Der Baden-Württembergische Verfassungsschutz schreibt hierzu weiter.

Die letzte Entwicklung hierzu ist, dass die SO nach Eigenangaben ein 4,5 Hektar großes Fernsehstudiogelände in Los Angeles erworben hat, um ihre weltweiten Medienaktivitäten auszuweiten. Unter anderem plant die Organisation, einen eigenen Internet-TV-Kanal zu eröffnen. (auf Youtube gibt es schon einige Kanäle, z.B. Deine Menschenrechte oder ScientologyFernsehen Anmerkung der Verfasserin) Selbstverständlich hat Scientology, wie auch andere politisch-extremistische Organisationen, die wachsende Bedeutung des Internets erkannt. Die klassische Straßenwerbung tritt in ihrer Bedeutung dagegen immer mehr in den Hintergrund. Inwieweit Scientology dadurch ihr Mitgliederpotenzial erhöhen kann, ist noch nicht absehbar. Diese Entwicklung muss allerdings sehr aufmerksam beobachtet werden.

Wie kann man sich schützen? Generell gilt: Aufmerksam sein; Angebote in sozialen Netzwerken (kritisch) hinterfragen; darauf achten, wie die Copyrights lauten; nachfragen, wer etwa ein Anti-Drogen-Konzept, eine Lernhilfe oder ein Managementkonzept entwickelt hat. Bei Scientology ist das stets deren Gründer L. Ron HUBBARD. In Copyrightvermerken wie „L. Ron Hubbard Library“ oder „Hubbard College of Administration“ steckt bereits sein Name. Bei ausweichenden Antworten auf klare Fragen erscheint grundsätzlich Misstrauen angebracht. Im Zweifelsfall genügt oft eine Internetrecherche, um schon nach kurzer Zeit zu erkennen, dass zum Beispiel hinter einer Organisation wie „Applied Scholastics“ (ApS) oder „Association for Better Living and Education“ (A.B.L.E.) Scientology steht….

Zu diesem Thema noch ein Bericht von Westpol.

Der perfekte Soldat?

Was wird aus einem scientologischen Kind, wenn aus ihm ein erwachsener Scientologe geworden ist? Ob aus diesem Kind ein neuer David Miscavige wird oder der „perfekte Soldat“, der ohne emotionelle Regungen agieren kann, im Kampf für Scientology?

Scientology stellt die Familie in den Hintergrund, die Kinder werden von außenstehenden Personen ohne Liebe und Zuneigung erzogen. Die Kinder lernen kritiklos Befehle zu befolgen. Ihre eigene Meinung zählt in Scientology nicht. Sie lernen Macht anzustreben und andere Menschen zu beherrschen. Sie lernen in Scientology nicht liebevoll mit anderen Menschen umzugehen. Auch die Familie ist für „Scientology-Kinder“ nicht wichtig, da sie nie ein „normales“ Familienleben kennenlernen durften. Scientology möchte aus den Kindern neue „Herrschaftsmenschen“ heranzüchten, die die Welt beherrschen sollen, eine Welt in der es z.B. keine kranken, behinderten, schwachen Menschen geben darf.

Kurt-Helmuth Eimuth sieht dieses ähnlich.

„Die Kinder werden von klein auf in ein gedankliches System gequetscht, das sie einer zum sozialen miteinander verpflichteten Gesellschaft entfremdet. Scientology lehrt wie kaum eine andere Organisation den nackten Sozialdarwinismus. Dies verträgt sich mit dem Anspruch, mündige, soziale, verantwortungsbewusste Menschen zu erziehen, so wie Licht und Schatten. Entweder werden Kinder zu kritischen, selbständig denkenden Erwachsenen, oder sie werden zu einer Art scientologischer `Übermensch´, die andere Menschen `handhaben´, kontrollieren wollen.“(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S. 109f)

Eine wichtige Frage, bleibt aber momentan ungeklärt, wie ein Mensch lebt, handelt fühlt und denkt, der in Scientology aufgewachsen ist bzw. kann dieser Mensch überhaupt von Scientology unabhängig agieren. (Vgl.: Arbeitskreis „Contra Scientology“, Referat: Probleme der scientologischen Kindererziehung, o.J.; Bundeisnnenministerium Bayern: “Was ist Scientology?“) Diese Fragen können momentan nur Aussteiger beantworten, die aber selber nicht in das „System Scientology“ hineingepaßt haben, sie können auch nicht ganz die Frage klären, wie ein Mensch, der in das System hineinpaßt, handelt oder sich dabei fühlt. Die Frage ist, ob so ein Mensch überhaupt „herangezüchtet bzw. -erzogen“ werden kann.