Scientologys Anwälte und „Kindsein in Scientology“ Teil 2

Wie alles begann…

Letztes Jahr kurz vor Weihnachten, am 19.12.2014 bekam ich zwei Mails von einer Anwaltskanzlei oder anders ausgedrückt von einem Anwalt, der in dieser Kanzlei arbeitet. Der eigentliche Inhalt dieser Mails war recht kurz, die Anhänge dafür umso länger. Der Inhalt der Mails wies mich daraufhin, dass ich demnächst die Anhänge per Einschreiben mit Rückschein zugesand bekommen werde.

Beide Anhänge waren eine recht lange Ansammlung von Paragraphen und Begründungen, die sich auf zwei Scientologen bezogen, die jeweils eine in den WISE – Listen aufgeführten Firmen betreiben. Über beide Scientologen und deren Firmen hatte ich einen Blogartikel veröffentlicht.

Beide Schreiben sind identisch, nur die persönlichen Daten sind geändert, selbst das Aktenzeichen ist das gleiche, was in der Regel bei zwei Fällen in anderen Rechtsanwaltskanzleien unterschiedlich ist.

Hauptkritikpunkte des Rechtsanwaltes waren, der Header meines Blogs, in dem damals „Kindsein in Scientology, diese Seite soll über die Verbrechen der Scientology – Organisation insbesondere gegen Kinder aufklären“. Den Begriff „Verbrechen“ legte der Rechstanwalt juristisch aus. Ich hingegen meinte ihn umgangssprachlich. Mittlerweile hat mir mein Anwalt empfohlen den Header zu ändern. Zufrieden mit meinem neuen Header bin ich noch nicht, vielleicht hat einer meiner Leser eine bessere Idee.

Außerdem meint der Rechtsanwalt, dass die scientologische Mitglieschaft Privatsache sei, was ja auch insoweit stimmt, wenn diese beiden Scientologen nicht mit ihren Firmen in der WISE – Liste auftauchen würde. Dies bedeutet, sie haben eine Art „Lizensgebühr“ an die Scientologyorganisation entrichtet um die scientologische Managementtechnologie in ihren Unternehmen anzuwenden. Einer der beiden Scientologen, nutzt sogar die hochbedenkliche scientologische Lerntechnologie in seinem Unternehmen, was er selber der Süddeutschen Zeitung, zusammen mit der ehemaligen scientologischen Pressesprecherin Sabine Weber, mitteilte.

Die Forderung des Rechtsanwaltes war, dass ich beide Artikel vom Blog nehme und auch alles Tags zu den beiden Personen entferne.

Kurz vor Weihnachten, war ich über das Schreiben des Rechtsanwaltes geschockt und nahm meine beiden Artikel offline. Auch war es ein blödes Gefühl, als meine Postbotin vor mir stand und meinte sie haben zwei Einschreiben und dann auch noch mit Rückschein, dies verflog aber recht rasch, als ich ihr erklärte um was es ging.

Am 20. Januar 2015 kam dann die zweite Abmahnung des Anwaltes aber diesmal nur für einen „Fall“. Ich hatte u.a. in einem anderen Blogartikel einen Tag vergessen zu entfernen, der auf diesen Scientologen hinwieß. Diesmal sollte ich eine Unterlassenserklärung unterschreiben mit dem Inhalt, es zu unterlassen die Scientologyzugehörigkeit auf meinem Blog zu verbreiten in jeglicher Art und Weise. Auch sollte ich 1171, 67 € an Gebühren entrichten.

Daraufhin habe ich mir selber unverzüglich einen Anwalt gesucht, der nun für mich tätig ist. Eine Unterlassenserklärung habe ich nicht unterschrieben, auch die Gebühren nicht entrichtet. Darüber, wie es weiter geht, werde ich natürlich berichten.

schild

In meinem nächsten Blogartikel, werde ich mich näher mit den in Deutschland, für Scientology und deren Vereinsmitglieder, tätigen Anwälten beschäftigen und auch erklären, was das Ganze soll und woher diese Idee der Kritikerkontrolle kommt.

Scientologys Anwälte und „Kindsein in Scientology“

Die Scientologyorganisation versucht auf vielen Wegen seine Kritiker mundtot zu machen, dies geschieht in erster Linie durch Einschüchterung.

Ein bewerter Weg der Organisation ist die Einschüchterung durch Anwälte, die laut eigenen Angaben keine Scientologen sind, sich aber gerne von der Organisation oder deren Anhänger bezahlen lassen.

Im Moment werde ich und somit auch mein Blog von einem Anwalt (bzw. einer Anwaltskanzlei), der häufig für die Organisation arbeitet, abgemahnt. Ich soll eine Unterlassenserklärung unterschreiben und ca. 1200 € „Gebühren“ an den Anwalt entrichten. Zwei Scientologen haben ihn beauftragt, die nachweislich indirekt mit ihren Firmen Geld an die Scientologyorganisation fließen lassen und über die ich jeweils einen Artikel auf meinem Blog geschrieben habe.

Ich laße mich nicht gerne von einer Organisation (oder deren Anhänger), die z.B. in Frankreich wegen bandenmäßigen Betrugs verurteilt wurde und in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet wird, in meiner freien Meinungsäußerung einschränken, dennoch ist dies im Moment leider der Fall.

In meinen nächsten Blogartikeln werde ich mich auf Grund des für mich aktuellen Anlasses, näher mit den Anwälten Scientologys beschäftigen, auch über deren Arbeit in Deutschland.gegen

Belohnung und Bestrafung – „Zuckerbrot und Peitsche“

Die Mitglieder werden sehr eng an Scientology gebunden. Durch ein gut funktionierendes Belohungs- und Bestrafungssystem wird der Einzelne dazu gebracht, sich den Regeln der Organisation zu unterwerfen. Belohnung erfolgt meist durch Vergüngstigungen für Kursgebühren, Bestrafung in Form von Wiedergutmachungsarbeiten. Da jegliche Kontrolle, die wir gegenüber der Öffentlichkeit ausüben, zu einer besseren Gesellschaft führt, ist es absolut gerechtfertigt, das wir Kontrolle ausüben heißt es in einem von L. Ron Hubbard verfassten Policy Letter (scientologische Gesetzestexte)(HCO PL 21.2.61, OEC Band 1 Seite 110). Meist beginnt kurz nach den ersten Auditings eine Persönlichkeitsveränderung. Durch die pausenlosen Inanspruchnahme der Mitglieder durch Kurse, Auditings und das Lesen von Hubbards Schriften kippt das selbständige Denken, die Mitglieder folgen immer gleichen Ideen und Argumentationsmustern.

Des weiteren betreibt Scientology in ihren Hauptzentren Strafgefangenenlager RPFs genannt. Hubbard gründete diese RPFs auf seinem Schiff der Apollo.

Anfang 1974 wurde an Bord des Sea Org-Flagschiffes, der „Apollo“, das „Rehabilitation Projekt Force“ (RPF) eingeführt. „Wer zum RPF-Insassen wurde, mußte die Reste essen, die die Schiffscrew übrig gelassen hatte. Er durfte nicht ohne Erlaubnis mit anderen Passagieren sprechen, trug zur Kennzeichnung einen blauen Overall und durfte sich nur im Trab bewegen. Ein gewöhnlicher Grund, jemanden ins RPF zu schicken, war dessen Absicht, Scientology zu verlassen.“

Aus einer Eidesstattlichen Versicherung ehemaliger Scientologen (ABI 12-80-82)

„Während meines Aufenthaltes auf der Apollo beobachtete ich zahlreiche Strafen, die verhängt wurden, wegen vieler kleiner Übertretungen oder Fehler im Zusammenhang mit den sehr strengen und exzentrischen Richtlinien Hubbards. In vielen Fällen beobachtete ich, wie jemand in die „Kettenkästen“ des Schiffes gesteckt wurde, und zwar auf direkten Befehl Hubbards. Diese Kästen waren kleine, übelriechende Löcher, die mit Gittern abgedeckt waren und zur Lagerung der Ankerkette dienten. Ich sah, wie ein Junge dort 30 Nächte lang eingesperrt wurde, er heulte und bettelte, herausgelassen zu werden.

Er durfte nur herauskommen, um das Schiffsdeck dort zu reinigen, wo der Schiffsabfall gesammelt wurde. Ich glaube, daß es sich bei seinem Vergehen darum gehandelt hat, daß er einem anderen ohne Erlaubnis ein Musikinstrument – ich glaube, es war eine Flöte- wegnahm oder sie benutzte. Ich erlebte auch, daß ein Junge und ein Mädchen zu getrennten Zeiten in die Kettenkästen gesteckt wurden, weil sie mit anderen in eine Schwärmerei verwickelt waren. Hubbard verbot den Umgang mit dem anderen Geschlecht -oder „out 2D“ – wie es bei Scientology genannt wird – blindlings. Verheiratete durften einander treffen, wobei aber eine strenge Überwachung erfolgte“

Kritiker gelten als Unterdrücker (Geisteskrank oder Kriminelle). Sie werden “Suppressive Personen” (SPs) gennant. Mitglieder, die Kontakt zu Unterdrückern halten, werden als mögliche Verursacher von Schwierigkeiten angesehen, denn es könnte passieren, dass sich ein Scientologe von einem Kritiker überzeugen lässt und vielleicht aussteigt. Dagegen bietet Scientology einen Spezialkurs an, bei dem ein Scientologe lernt, wie er diese Unterdrückung zu handhaben hat. Schafft er dies nicht, wird er mit einer Bestrafung rechnen müssen oder er trennt sich von dieser unterdrückerischen Person, die auch das eigene Kind, die Eltern oder die besten Freunde sein können (Disconnection).

Weiter