Vor einigen Tagen berichtete ich über die Doku von arte über den scientologischen Geheimdienst, nun ist diese Dokumentation auf arte in der „Mediathek“ zu finden.
Hubbard
Verfassungsschutz warnt vor Online – Kursen
Der Verfassungsschutz in Hamburg warnt vor den Online Kursen der Scientology – Organsiation. Ich kann diese Warnung nur unterstützen. Ich habe vor Kurzem selber, um zu schauen, wie es funktioniert und unter einem anderen Namen, den „Online Kurs Ehe“ gemacht. Dieser Kurs ist darauf ausgelegt, die Scientology Kunstsprache zu lernen und sich mit dem Gedankenkonstrukt der hubbardschen Ideologie auseinanderzusetzen. In einer Phase des Kursus brachte ich gezielt Kritik an, diese wurde in scientologischer Weise gehandhabt. In dem ich gefragt wurde, was mir persönlicher dieser Kurs gebracht hat und mit dem Hubbard Zitat: „Wahr ist, was für dich wahr ist.“ Hiermit sollte ich wieder, wie es die Scientologen nennen, auf Linie gebracht werden. Dieses Verhalten ist auch nicht weiter verwunderlich. Auch bekomme ich nun viele Mails, die mich dazu auffordern, meinen Kurs fortzusetzen. Den habe ich beendet, als ich schreiben musste, was mir dieser Kurs gebracht hat. Dies ging mir dann doch zu weit. Hierbei handelt es sich um einen in Scientology üblichen Erfolgsbericht, der immer am Ende eines erfolgten Kurses geschrieben werden muss.
Nach meiner Einschätzung, wurde ganz gezielt darauf hingearbeitet, zum einen die scientologische Denkweise zu übernehmen, die scientologische Sprache und das Umfeld zu beeinflussen. Eine Aufgabe war, dass ich mir in meinem Umfeld Menschen mit Eheproblemen suchen sollte und mit ihnen, die in dem Kurs erlernten Strategien besprechen und nach Möglichkeit durchführen sollte. Ich hatte mich zunächst verweigert und weitere Kritik einfließen lassen, aber wurde immer wieder darauf hingewiesen dies zu tun. Letztendlich hatte ich mir einen Fall ausgedacht, weil ich ja schauen wollte, wie der Online Kurs funktioniert. Auch versucht Scientology hier die Ruinpunkte des Einzelnen, dh seine Schwachstellen, herauszufinden.
Die Kurse werden von den scientologischen Volunteer Ministers, den ehrenamtlichen Geistlichen angeboten. Teilweise kamen die Anweisungen über „google translate“, als ich mich darüber beschwert habe, bekam ich einen deutschen „Fallüberwacher“ (Kursleiter). Dieser jedoch, schien sehr beschäftigt und nicht immer greifbar gewesen zu sein, denn es dauerte immer recht lange, bis er antwortete. 😉 Ich rate niemanden diesen Kurs zu machen (auch nicht zum Spaß), denn er ist sehr manipulativ und wenn man die Scientologen nicht kennt, kann man leicht in die Falle tappen. Also Finger weg.
Zum Weiterlesen: http://www.hamburg.de/innenbehoerde/nofl/3333782/2012-03-14-bis-pm-lfv-scientology.html
Scientologische Nachhilfezentren in Deutschland und in Österreich
Hier eine Zusammenstellung der offiziellen scientologischen Nachhilfezentren in Deutschland und in Österreich. Diese Nachhilfezentren haben sich der scientologischen Tarnorganisation „Applied Scholastic“ angeschlossen. Diese untersteht dem scientologischen Bereich ABLE. Diese Nachhilfezentren müssen Lizensgebühren an die Scientology Organisation entrichten. Sie sind ein möglicher Eintritt in die Sektenwelt von Scientology. Es wird dort die Hubbard Studiermethode angewendet, die ganz klar auf die Gehirnwäsche vorbereitet und auch Auditings werden dort an den Nachhilfeschülern durchgeführt. Dies sind die offiziellen Nachhilfezentren, aber es gibt auch welche, die nicht von Scientology genannt werden, sich also besser tarnen als diese hier aufgeführten. Mein Ratschlag suchen sie Nachhilfe für ihr Kind, immer nachfragen ob diese nach L. Ron Hubbard arbeiten.
appliedscholastics.de/inhalt/nachhilfezentren-im-deutschsprachigen-raum/deutschland.php (Nachtrag 30.05.2013, mittlerweile funktioniert dieser Link nicht mehr, Screenshots stammen von dort)
Deutschland
Professionelles Lerncenter
Monika Aktay
Dilleniusstr. 25
Stuttgart – Bad Cannstatt
www[dot]professionelles-lernen.de
Mechthild Ohnhäuser
Nachhilfe mit Spaß und Verstehen
Honiggasse 2
35519 Rockenberg
„Die Streber“
Tina und Jenny Salomon
Ratherstr. 116
41844 Wegberg, Rath Anhoven
lern-methode.de
Nachhilfe- und Sprachenschule
Marita Grübl & Heiko Kroggel
Nibelungenstr. 15
90513 Zirndorf
lernen-in-zirndorf.de
Österreich
Besser Lernen Susanne Schilk-Blümel Simmeringer Hauptstr. 419 1110 Wien www[dot]besser-lernen.de Auf der Seite von Applied Scholastics wird auch noch das „Nachhilfestudio Sonnenblume“ erwähnt. Dieses existiert jedoch schon länger nicht mehr.
Raids im April
Anonymous Berlin raidet wieder und zwar
am 14. April 2012
Treffpunkt ist um 12.00 Uhr am Zoologischen Garten (vor dem McDonalds). Um 13.00 Uhr geht es dann gesammelt zur Org.
Hier der „Trailer“:
Ebenso raidet Anonymous Wien
am 14. April 2012 gegen Scientology.
Demonstriert wird von 14.00 Uhr bis 17. 00 Uhr
an der Ecke Mariahilfer Straße/Neubaugasse/Amerlingstraße, 1060 Wien.

„Scientology greift nach den Schulen“
Die nw-news.de berichteten, dass Scientology ihr Buch, „Der Weg zum Glücklichsein“ an Schulen verteilt. http://www.nw-news.de/top_news/6164831_Scientology_greift_nach_den_Schulen.html

Bielefeld. Die Scientology-Sekte versucht, an den Schulen Nordrhein-Westfalens Fuß zu fassen. Davor warnt die Beratungsstelle Sekten-Info NRW. Scientology wolle seine Broschüre „Der Weg zum Glücklichsein“ in alle Schulbibliotheken einschleusen, heißt es. „Sehr gefährlich“ nennt Sabine Riede, Geschäftsführerin des Büros, die Aktivitäten. Das Buch gehöre dort nicht hin.
Auch der Verfassungsschutz NRW warnt vor wachsendem Einfluss der Scientology-Organisation (SO) im größten Bundesland. Nicht nur über die Broschüre versuche Scientology seinen Einfluss zu festigen und neue Mitglieder anzuwerben. „Ein aktueller Angriff auf Kinder und Jugendliche erfolgt jüngst über die (Tarn-)Organisation ,Applied Scholastics‘ (Nachhilfe) und ,ZIEL‘ (Zentrum für individuelles und effektives Lernen)“, sagt Birgit Axler vom Innenministerium des Landes NRW. Vor SO-Aktivitäten in der Nachhilfe warnt auch Marc Ratajczak, Sektenbeauftragter der CDU-Landtagsfraktion.Die oben zitierte OS-Broschüre soll laut Sabine Riede an allen Schulen des Landes verteilt werden mit dem Ziel, dass sie dort in den Bibliotheken platziert wird. „Der Name Scientology taucht dort nicht auf.“ Inhalt des Buches seien moralische Themen und Ziele, denen man sich zunächst durchaus anschließen könne. Doch falls Schüler nähere Informationen zu dem Buch haben wollten, „bleibt die Gefahr, dass sie übers Internet mit Scientology in Berührung kommen“. Riede sagt, sie habe die zuständigen Fachaufsichten über die aktuellen Vorgänge bereits informiert.
„Literatur von verfassungsfeindlichen Organisationen hat in der Schule nichts zu suchen“, so Riede. Im NRW-Verfassungsschutzbericht werden Scientology „Strukturen mit totalitärem Anspruch und menschenverachtenden Tendenzen“ zugeschrieben. Im bevölkerungsreichsten Bundesland sei die OS-Mitgliederzahl „in den letzten Jahren stark angestiegen – auf derzeit circa 600“. Bundesweit habe SO 5.000 bis 6.000 Mitglieder. Das Oberverwaltungsgericht Münster urteilte 2008, dass sich die Lehre von SO „gegen die Menschenwürde, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz“ richte.
Die SO-Broschüre ist laut Auskunft von Riede bereits an Schulen in NRW im Umlauf. „Dass Bücher schon rausgegangen sind, ist eindeutig.“ Sie habe hierüber zuverlässige Berichte einer SO-Aussteigerin….
Raid gegen Scientology in Düsseldorf
Am Samstag, den 18. Februar 2012 trafen sich die Düsseldorfer Anonymous mit Berliner und Hamburger Anonymous und raideten vor der Düsseldorfer Scientology Org.
Analyse des Pressetextes der Scientology Kirche Bayern e.V.
Anonymous hat die letzte Presseerklärung der Scientologen unter die Lupe genommen und für Nicht – Scientologen übersetzt.
Hier folgt nun die Analyse des Pressetextes der Scientology Kirche Bayern e.V. Der scientologische Pressetext ist in grün dargestellt.
Ausarbeitung zum Text
„Die Scientology Kirche und deren Einstellung zur Beachtung von Recht und Gesetz“
Der Pressedienst des Scientology Kirche Bayern e.V. hat am 11.02.2012 einen Text zum Thema „Die Scientology Kirche und deren Einstellung zur Beachtung von Recht und Gesetz“ veröffentlicht. Da wir der Meinung sind, dass dieser Text für sich nicht sprechen kann, sonder einer ausführlichen Ergänzung bedarf, um von Außenstehenden wirklich verstanden zu werden, legen wir eine kritische Ausarbeitung zum Text des eingetragenen Vereins vor.
Grundlage unserer Ausarbeitung sind die aktuellen Urteile gegen Scientology, laufende Prozesse, die Richtlinien, Weisungen und Schriften des Gründers L.R. Hubbard, sowie die Einschätzungen durch Sektenexperten, Verfassungsschutz und Aussteiger.
Die Scientology Kirche und deren Einstellung zur Beachtung von Recht und Gesetz
Der Pressedienst des eingetragenen Vereins Scientology Kirche Bayern e.V., Ansprechpartner Frau Uta Eilzer, hat sich berufen gefühlt, angesichts der immer stärker in die Öffentlichkeit drängenden Vergehen der Scientology Organisation, wie z.b. in Frankreich, wo es zu einer Verurteilung wegen organisierten Betruges kam, ein Schreiben aufzusetzen, in dem sie der Öffentlichkeit vermitteln möchte, dass Scientologen dazu angehalten sind, die Gesetze des Landes, in dem sie leben, zu respektieren.
Welches Ziel verfolgt aber dieses Schreiben? Dafür muss man verstehen, dass Scientologen angehalten sind, alles für KSW zu tun. KSW bedeutet Keep Scientology Working. Jeder Scientologe ist dazu angehalten, persönlich Verantwortung dafür zu tragen, dass Scientology am Leben erhalten wird. Debbie Cook hat in ihrer eMail, die kürzlich an die Öffentlichkeit gelangte, ebenfalls noch einmal die Notwendigkeit von KSW für Scientology betont. (1)
Grundlage von KSW ist das scientologische Denken, das im Überleben das „Prinzip des Daseins“ sieht.(2) Diese Überlebensdynamik spiegelt sich im „Drang des Einzelnen zum optimalen Überleben der Gruppe.“ (3) Deshalb ist für Scientology jede „wissentlich begangene Handlung oder Unterlassung, um Scientology oder Scientologen zu unterdrücken, einzuschränken oder zu behindern“ ein Schwerverbrechen (4).
So verwundert es auch nicht, dass die ranghohe Scientologin und Leiterin von Scientologys Menschenrechtsorganisation CCHR Jan Eastgate wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch vor Gericht stand (bzw zur Zeit wegen Justizbehinderung angeklagt ist), da es sich bei dem Täter um einen Scientologen handelte.
Innerhalb der Scientology Organisation gibt es eine Sektion, die Scientology interessanterweise Ethik nennt. Die Funktion dieser Sektion besteht darin, „Gegenabsichten aus der Umgebung zu entfernen.“ Ist das erreicht, wird der Zweck der Ethik, „Fremdabsicht aus der Umgebung zu entfernen.“ (5) Im Einklang mit KSW und dem Glauben an die Überlebensdynamik ist das Ziel, die Absichten zu entfernen die andere sind als „jene Ziele, die (…)als die Ziele der Gruppe bekannt sind.“ (6)
Es ist naheliegend, dass Ziel dieser Erklärung des Pressedienstes KSW ist – das Überleben von Scientology zu sichern – und höchstwahrscheinlich ebenso die Beseitigung aller Zweifel an der Scientology Organisation, die sich gegen das Überleben der Organisation richten könnten.
Es wäre dennoch zu einfach anzunehmen, im Schreiben des Pressedienstes würde einfach gelogen. Wie alle Sekten benutzt Scientology ein eigenes Sprachsystem. Das von Scientology ist unseres Kenntnisstandes nach sogar das komplizierteste. Es werden Begriffe umgedeutet und völlig neu besetzt. Durch diese Sprachmanipulationen wird das Denken der Person systematisch verändert und an die Zielsetzung der Gruppe angeglichen.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Begriff der Ethik. Zwar wird er innerhalb von Scientology auch im üblichen Sinne gebraucht, gleichzeitig aber auch im bereits geschilderten Sinne. Dadurch wird das Denken des Scientologen dahingehend geprägt, dass ethisch korrektes Handeln darin besteht, im Einklang mit der Gruppe zu agieren und individuelle Interessen („Fremdabsichten“) auszuschließen. Die individuelle Verantwortlichkeit für eigene Entscheidungen, die einen selbständigen Menschen auszeichnet, wird ausgeschaltet und sämtlichen Handeln und Denken darauf ausgerichtet, dass es dem Überleben von Scientology dient (KSW). So sind Scientologen permanent dazu angehalten, zu produzieren und entweder Kurse zu belegen oder Arbeiten für die Organisation zu verrichten, so schreibt Hubbard in „Einführung in die Ethik der Scientology“ über die „produzierenden und anständigen Leute“ (7), womit sich der Kreis zum Verständnis von Ethik schließt.
Der Text des Pressedienstes des eingetragenen Vereins Scientology Kirche Bayerns e.V. ist daher unter dem Gesichtspunkt zu lesen, dass ihm eine eigene Sprache zugrunde liegt. Scientologen verstehen den Text daher ganz anders als der Außenstehende, der sich mit dem Sprachsystem von Scientology nicht auseinandergesetzt hat. Beginnen wir also mit dem Text.
Ron Hubbard hat als Gründer der Scientology-Religion und als Autor der maßgeblichen Schriften der Scientology-Kirche immer die Befolgung staatlicher Gesetze eingefordert. Entsprechendes ist seit Jahrzehnten in den Satzungen der Kirche vermerkt. Das staatliche Recht wird damit ganz sicher nicht abgelehnt.
Man muss dazu wissen, dass es erklärte Methode von Scientology ist, „ständigen Druck auf Regierungen ausüben, um Gesetzgebung pro Scientology zu schaffen und um anti-Scientology Gesetzgebung von Gruppen zu verhindern, die der Scientology entgegenstehen.“ (8)
Scientologen sollen also die Gesetzgebung des Landes respektieren, gleichzeitig aber darauf hinarbeiten, die Gesetzgebung in Richtung pro-Scientology zu verändern. Das staatliche Recht wird damit – vom Grundsatz her – nicht abgelehnt, vielmehr wird es als Autorität bestätigt, um sich dieser Autorität bemächtigen und sie im Sinne von KSW verändern zu können.
Ingo Heinemann schreibt auf seiner Homepage diesbezüglich: „Die Aktion, eine pro-Scientology-Regierung hervorzubrignen, besteht darin, sich die am höchsten plazierte Person im Regierungsapparat, die man erreichen kann, zum Freund zu machen, und im privaten Haushalt und in Büropositionen in ihrer Nähe Scientologen zu postieren und dafür zu sorgen, daß Scientology ihre Schwierigkeiten und ihren Fall löst.“ (9)
Der Scientology-Aussteiger Larry Brannan sagte: „Also wenn sie ein Gebiet „gecleart“ haben, werden sie erstens zur Regierung und zweitens machen sie die einzige Politik, der man folgen darf. Das bedeutet das Ende der deutschen Verfassung, das Ende der amerikanischen Verfassung, das Ende aller Gesetze, die nicht Teil von Scientology sind. Ihre Ziele, wenn sie sagen, dass sie nicht politisch sind, sind komplett politisch. Sie haben Richtlinien von Hubbard persönlich, die Regierung zu werden und alle Gesetze loszuwerden, die nicht Teil von Scientology sind.“ (10)
Hubbard formulierte es in einem Vortrag folgendermaßen: „unsere Zentrale Organisation wird dann einen Polit-Offizier haben und wenn Ihr dann die Umgebung gesäubert habt, ist der einzige Zweck Eures Zentrums, ein politisches Zentrum zu sein und dann seid ihr die Regierung und keiner kann das bestreiten.“ (11)
Alle Kirchen und Mitglieder sind aufgefordert, die Gesetze des Landes in dem sie leben und ihre Religion ausüben, zu befolgen.
Unter Berücksichtigung der bisherigen Ausführungen besagt diese Passage, dass Scientology die Gesetzgebung zu ihren Gunsten durch Nutzung der bestehenden Gesetze verändern will. Also keinen gewaltsamen Bruch mit den hiesigen Gesetzen anstrebt, sondern sich der geltendenGesetze bemächtigen will, um die Veränderung der Gesetze herbeizuführen. Das ist bei totalitären Systemen kein außergewöhnlicher Ansatz, in der deutschen Geschichte gab es diesen Ansatz ebenfalls. Hier wird also die Methode beschrieben.
L. Ron Hubbard legte deshalb in einer innerkirchlichen Richtlinie fest, dass alle innerkirchlichen Handlungen und Bestimmungen, auch im Bereich des eigenen Disziplinarrechts, KEINE Gesetze eines Landes verletzen dürfen.
Im Anbetracht der Tatsache, dass Scientology die Anpassung der geltenden Gesetzgebung an ihre innerkirchlichen Vorgaben anstrebt, ist die Aussage, dass alle innerkirchlichen Regelungen im Einklang mit der geltenden Gesetzgebung stehen müssen, eine Aussage ohne jeden Wert.
Tatsächlich wird hier gesagt, dass jede innerkirchliche Handlung jeden gesetzlichen Spielraum nutzen soll, der ihr – durch an der Veränderung arbeitenden Scientologen – gewährt wird. Und angezeigt, dass eine Identität zwischen innerkirchlichen und staatlichen Regelungen geschaffen werden soll.
In dem von L. Ron Hubbard verfassten „Der Weg zum Glücklichsein“ schreibt er unter der Regel Tun Sie nichts Illegales: „Wenn Sie merken, dass jemand in Ihrer Umgebung illegale Handlungen begeht, sollten Sie alles tun, was Ihnen nur möglich ist, um ihn davon abzubringen.“
Was sind illegale bzw. kriminelle Handlungen ? Dafür müssen wir etwas näher in die Ideologie von Scientology eindringen.
„Wenn ein Mensch darin versagt, Ethik auf sich selbst anzuwenden und die Moralgesetze seiner Gruppe zu befolgen, tritt das Recht auf den Plan.“ (12)
Hier wird noch einmal verdeutlicht, was wir bereits zum Thema Umdeutung von Begriffen am Beispiel der Ethik erläutert hatten. Unethisches Verhalten ist also jenes, das nicht mit den Gesetzen der Scientology übereinstimmt.
„Ein Mensch, der unethisch ist, (…) ist insofern ein potentieller oder aktiver Verbrecher“ (13)
„Verstöße, die in Scientology als Verbrechen behandelt werden, sind die folgenden: (…) Scientology oder Scientologen einer Gefahr auszusetzen. (…) Anstiftung zum Ungehorsam (…) Die Aufrechterhaltung der Disziplin zu verweigern. (…) Materialien oder Richtlinien der Scientology lächerlich zu machen oder sie Verachtung oder Hohn preiszugeben (…) Schwerverbrechen: Diese bestehen daraus, dass man sich öffentlich von der Scientology abkehrt oder unterdrückerische Handlungen begeht.“ (14)
„Unterdrückerische Handlungen sind definiert als Handlungen oder Unterlassungen, die unternommen werden, um Scientology oder Scientologen wissentlich zu unterdrücken, einzuschränken oder zu behindern.“ (15)
Natürlich sind in den Scientology Materialen auch sehr viele Handlungen als kriminell eingestuft, die von jedem Menschen als kriminell eingestuft werden. Diese Ausführungen sollen aufzeigen, dass der Begriff kriminell dennoch nicht deckungsgleich mit dem Verständnis der meisten Menschen in Scientology verwendet wird. Er wird benutzt, um unethisches Verhalten, also Verhalten, das nicht mit der Ausrichtung von Scientology konform geht oder gegen die Machenschaften von Scientology gerichtet ist, zu bezeichnen. Die Aussage „sollte Sie alles tun, was Ihnen nur möglich ist, um ihn davon abzubringen“ weist auf eine andere Policy hin, die unter dem Namen „Fair Game Policy“ bekannt ist.
„Fair game: Eine “Suppressive Person” (Unterdrückerische Person – Anm. d. Verf.) darf von jedem Scientologen mit allen Mitteln verletzt und ihrer Besitztümer beraubt werden, ohne daß der Scientologe Konsequenzen zu befürchten hat. Die “Suppressive Person” darf betrogen, belogen, verklagt oder vernichtet werden.“ (16)
„Eine wahrhaft unterdrückerische Person oder Gruppe hat keinerlei Rechte eines Scientologen.“ (17)Übereinstimmend mit den bisherigen Ausführungen deutet es darauf hin, dass Scientology eine Gesetzgebung anstrebt, die Scientologen ermöglicht, Kritiker zu schädigen und zu beseitigen, ohne dass sie dafür juristische Sanktionen befürchten müssen.
Für das innerkirchliche Disziplinarrecht steht am Ende der Aufzählung innerkirchlicher Vergehen der Satz: „Nichts in diesem Kapitel soll je oder unter irgendwelchen Umständen irgendeineVerletzung der Gesetze des jeweiligen Landes oder irgendeinen absichtlichen Rechtsbruch rechtfertigen.“
Einige „innerkirchliche Vergehen“, wie sie Hubbard definiert hat:
„Nichtbefolgung: das Versäumnis, einer Anordnung Folge zu leisten.“ (18)
„Wissentliche oder wiederholte Abweichungen von der Standard-Technologie, von den Verfahrensweisen der Ausbildung oder von Richtlinien.“ (19)
„Sich zu weigern, einen E-Meter-Check zu erhalten.“ (20)
„Sich zu weigern, auditiert zu werden, wenn es von einer höheren Stelle angeordnet wird.“ (21)
„Den Empfang einer direkten und rechtmäßigen Anordnung eines leitenden Mitarbeiters nicht zu bestätigen, sie nicht weiterzuleiten oder sie nicht zu befolgen.“ (22)
Interessant ist, dass Scientology offensichtlich für diese und andere Vergehen „direkte Bestrafung“ (23) vorsieht. Diese Bestrafung besteht in der „Zuweisung eines persönlichen Zustandes von Notlage“ (24).
Die einzige positive Aktion, um das Überleben im Zustand der Notlage zu garantieren, ist nach Hubbard Expansion. Eine Formel für diesen Zustand ist die Straffung der Disziplin, „denn wenn nicht Disziplin durchgesetzt wird, so wird das Leben selbst die Person disziplinieren.“ (25)
Interessant ist also, dass es innerhalb von Scientology notwendig zu sein scheint darauf hinzuweisen, dass „nichts in diesem Kapitel (…) irgendeine Verletzung der Gesetze des jeweiligen Landes oder irgendeinen absichtlichen Rechtsbruch rechtfertigen“ soll. Zumindest erweckt es doch den Eindruck, dass bisweilen innerhalb von Scientology dazu geneigt wird, Vergehen wie Ungehorsam – was man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen muss – drastisch zu sanktionieren.
Norbert Pothoff, ein deutscher Aussteiger schreibt in seinem Buch „Wieder dieses RPF, diesmal ist Sabine in Gefahr. Das kann ich nicht zulassen. Susans Schilderungen vom Straflager sind mir noch zu lebhaft in Erinnerung, auch wenn Beate es später verharmloste. Meine Frau würde ich nicht ausliefern, niemals.“ (26)
Das hinterlässt doch einen bestimmten Eindruck vom innerlichen Disziplinar- und Strafsystem.
„Jeder solcher Verstöße soll den Schuldigen sowohl den gesetzlich vorgeschriebenen Strafen, also auch (innerkirchlichen) Ethik- und Rechtsmaßnahmen aussetzen“.Nun möchte uns doch die Pressesprecherin des eingetragenen Vereins Scientology Kirche Bayern e.V. erklären, welche gesetzlichen Strafen denn für z.b. Ungehorsam oder Weigerungen, sich auditieren zu lassen, vorgesehen sind. Sicher wäre an dieser Stelle die Antwort, dass von den gesetzlich vorgeschriebenen Strafen gesprochen wurde und in diesen Fällen keine gesetzlichen Strafen zu erwarten sind.
Somit dürften auch keine innerkirchlichen Ethik- und Rechtsmaßnahmen erfolgen, da uns die Scientology Kirche Bayern vermitteln wollte, dass die innerkirchlichen Maßnahmen niemals andere sind als jene der geltenden Rechtssprechung.
Die angebliche Identität zwischen dem innerkirchlichen und staatlichen Rechtssystem, die hier angedeutet wird, lässt sich nicht nur durch Primärliteratur von L.R.Hubbard widerlegen, auch Aussteigerberichte und aktuelle Verurteilungen der Scientology-Organisation wie z.b. in Frankreich wegen organisierten Betruges sprechen eine ganz klare Sprache und bestätigen die Ausführung in diesem Schreiben von Frau Eilzer als P.R. / KSW.
Deutlicher kann die Oberhoheit des staatlichen Rechts im Verhältnis zum innerkirchlichen Recht wohl kaum zum Ausdruck gebracht werden.
Auf Seite 3 dieser Ausarbeitung wurde ausführlich das Verhältnis von Scientology zur „Oberhoheit des staatlichen Rechts“ beschrieben.
Das hinderte trotzdem einzelne, voreingenommene Mitglieder der früheren Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages nicht, die „Abkehr von Recht und Gesetz“ und – als notwendige Begründung von Überwachungsforderungen – die angebliche „Aushöhlung des unabhängigen Gerichtswesens“ ohne irgendwelche Belege künstlich zu konstruieren.
Wir hoffen, durch dieses Schriftstück einige Belege geliefert zu haben, dass es sich nicht um künstliche Konstruktionen handelt, sondern die Annahme, Scientology habe ein eigenes, vom staatlichen Recht unabhängiges Rechtssystem, das zudem nur vereinzelt Gemeinsamkeiten mit dem staatlichen Recht aufweist, sowohl durch die Praxis der Scientology Organisation als auch durch die Schriften des Gründers L.R. Hubbard, bestätigt wird.
Scientology ist ein totalitäres System, das auf absoluter Kontrolle seiner Mitglieder basiert, sich verschiedener Methoden der Verhaltensmanipulation bedient und „hierarchisch aufgebaut und straff militärisch organisiert“ (27) ist. Aussteiger berichten von Freiheitsberaubung, Folter und Nötigung. (28)
Allein die bloße Tatsache der Existenz einer innerkirchlichen, disziplinarischen Rechtsordnung wurde als „Beweis“ dafür bemüht, dass Scientology mit der staatlichen Gerichtsbarkeit und Rechtsordnung nichts am Hut habe.
Die Existenz eigener Straflager (29) sowie einer eigenen Abteilung, die sich mit der Beseitigung von Gegenabsichten aus der Umgebung befasst, und die Installation eines eigenen Geheimdienstes (30) dürfte deutlich aufzeigen, dass sich Scientology einer eigenen Gerichtsbarkeit bedient.
Das faktisch alle gesellschaftlichen Verbände und natürlich auch Religionsgemeinschaften – vom Sportverein (Beispiel DFB), den Gewerkschaften, den Parteien bis zu den Amtskirchen – über eine interne disziplinarische Rechtsordnung verfügen, genügt offenbar nicht, um den Betreibern dieser Argumentation die Absurdität ihrer Logik aufzuzeigen.
Es ist eine übliche Praxis bei Scientology, in der ersten Hälfte eines Rechtfertigungsschreibens Vorwürfe komplett zu leugnen und argumentativ auszuhöhlen, um im 2. Teil mit anerkannten, staatlichen Autoritäten zu „arbeiten“. Zum einen möchte man erreichen, dass der Leser denkt:
„Wieso wirft man Scientology etwas vor, was doch bei anderen Institutionen Gang und Gebe ist?“
Hierbei ist aber anzumerken, dass nicht die Frage, ob es ein internes Disziplinarrecht bei Scientology gibt, Grundlage der Überwachung ist, sondern „dass Scientology nach wie vor Bestrebungen verfolge, die gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichtet seien.“ (31)
Es ist nicht unüblich, dass Scientology in Schreiben, nachdem man versucht hat, die Vorwürfe zu bestreiten, dann, die Vorwürfe zu relativieren, zu einem direkten Angriff auf staatliche Stellen oder andere Institutionen und Feindbilder, wie z.b. die Psychiatrie, übergeht. Grundlage ist das Gesetz der Dritten Partei, d.h. Scientology geht davon aus, dass in in einem Konflikt immer eine dritte Partei existieren muss, die Ursache dieses Konfliktes ist bzw. versucht, einen Konflikt herzustellen. (32)
„Die verborgene dritte Partei, die manchmal nur die eine Seite zu unterstützen scheint, kann als Anstifter entlarvt werden.“ (33)
Ein „Gutachter“ der besagten Enquete, der selbst früher gegen die Scientology Kirche meist vergeblich prozessiert hatte und damit alles andere als in der Sache neutral und objektiv „gutachten“ konnte, ging – aufgrund eines aus dem Zusammenhang gerissenen Zitats – sogar so weit zu behaupten, es gäbe einen Beleg, dass Scientology die bestehende Rechtsordnung „pauschal ablehnt“ und im Falle von „politischer Macht“ nur noch ihr eigenes, innerkirchliches Rechtssystem zulassen würde.
Der Gutachter der Enquete-Kommission wird an dieser Stelle als verborgene dritte Partei dargestellt, die danach strebt, Scientology in ein falsches Licht zu rücken.
Häufig wird diese Dritte Partei, sofern es sich um einzelne Personen handelt, auch mit kritischen Personen, die zugleich als anti-soziale und anti-scientologische Persönlichkeiten dargestellt werden, gleichgesetzt. So verbreite eine „solche Person (…) hauptsächlich schlechte Nachrichten, kritische oder feindselige Bemerkungen, Abwertungen oder allgemeine Unterdrückung.“ (34)
Selbstverständlich unterstütze die „antisoziale Persönlichkeit (…) ausschließlich destruktive Gruppen“ und wüte „gegen jede Gruppe, die konstruktiv ist oder verbessern will, und greift sie an.“ (35)
Völlig abgesehen von der Tatsache, dass die Scientology-Kirche keinerlei politische Ziele verfolgt und erst recht keine Beteiligung an „politischer Macht“ anstrebt, sondern für die Trennung von Kirche und Staat eintritt.
Hier wird noch einmal versucht, sich selbst von jedem Machtstreben loszusagen, um dann eine gesellschaftliche Position zu beanspruchen, die von vielen Menschen als richtig empfunden wird.
Es handelt sich um den Versuch, Vorwürfe zu neutralisieren, um sich dann aus dieser Neutralität heraus positiv darzustellen. Gerade die Trennung von Kirche und Staat ist etwas, das viele Menschen unterstützen. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die ersten Seiten dieser Analyse verweisen, die klar belegen, dass Scientology eher das Gegenteil anstrebt, nämlich den Staat nach den Vorgaben von L.R. Hubbard zu formen.
Das probiert Scientology nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft. Hierfür benutzt Scientology Verbände wie WISE (World Institute of Scientology Enterprises). Ziel von WISE ist „die übernahme der Wirtschaft auf der gesamten Welt durch die Scientology, indem die LRH- Verwaltungstechnologie in jeder Firma der Welt vollständig eingeführt wird, ob es sich um Scientologen handelt oder nicht.“ (36)
Davon abgesehen kann man nicht häufig genug erwähnen, dass Scientology in Deutschland aus gutem Grunde nicht als Kirche anerkannt ist und auch in den Vereinigten Staaten von Amerika jeder Mensch eine Kirche eintragen lassen kann. Kirche ist also dort nicht vergleichbar mit dem Begriff, wie er in Deutschland verwendet wird, vor allem ist er dort nicht gebunden an eine Jahrhunderte alte Tradition.
Das Gegenteil von politischer Macht bzw. politischen Zielen ist ihr aufgrund innerkirchlicher Richtlinien (von L. Ron Hubbard) nachweisbar untersagt.
Manchmal passieren eben auch führenden Scientologen freudsche Versprecher. Wir möchten diese Passage, nämlich dass der Scientology das „Gegenteil von politischer Macht bzw. politischen Zielen (…) nachweisbar untersagt“ wäre, einfach für sich stehen lassen und nicht weiter kommentieren.
Zur Bekräftigung dieser Tatsache haben die deutschen Scientology-Kirchen eine „Grundsatzerklärung für Menschenrechte und Demokratie“ (siehe scientology- fakten.de/scientology-kirche-deutschland-resolution-der-kirchenratsversammlung.html) im Jahre 2008 verbindlich in ihre Satzungen aufgenommen und sich von entgegen gesetzten Ansichten distanziert.
Mit dem Begriff „deutsche Scientology Kirchen“ sind die verschiedenen eingetragenen Vereine in Deutschland gemeint, die zu Scientology gehören.
Nachdem die Vorsitzende der Menschenrechtskommission Jan Eastgate nicht nur wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch vor Gericht stand, sondern auch aktuelle Informationen aus Australien belegen, dass die dortige Scientology Organisation Kinder und Jugendliche über Jahre systematisch ausgebeutet hat, sowie aktuelle Aussagen von Debbie Cook über die Spezialbehandlungen auf Flag (Freiheitsentzug, Schlafen auf Böden, die von Armeisenstraßen überzogen waren, körperliche Misshandlungen), wird deutlich, wie weit es mit dem Begriff der Menschenrechte bei Scientology her ist. Oder es ist ein Indiz dafür, dass Scientologen, wie schon in der Einleitung ausgeführt, oft Begriffe anders verstehen als Menschen, die nicht das scientologische System durchlaufen haben. Interessant ist an dieser Stelle auch, was Scientology Gründer L.R.Hubbard zu Bürgerrechten schreibt.
„Eines Tages wird es vielleicht ein viel vernunftgemäßeres Gesetz geben, das nur Nichtaberiierten erlaubt, zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen.“ (37)
„Vielleicht werden in ferner Zukunft nur dem Nichtaberrierten die Bürgerrechte vor dem Gesetz verliehen. Vielleicht ist das Ziel irgendwann in der Zukunft erreicht, wenn nur der Nichtaberrierte die Staatsbürgerschaft erlangen und davon profitieren kann. Das sind erstrebenswerte Ziele.“ (38)
Während andere Weltreligionen zum Teil heute noch ein Problem mit den Menschenrechten haben oder sie zum Teil erst in den 1960er Jahren für sich als verbindlich anerkannt haben (so z.B. das Vaticanum II der kath. Kirche), geht das Glaubensbekenntnis der Scientology-Kirche mit Gründung der ersten Scientology-Kirche im Jahre 1954 sofort von der Gott gegebenen Gleichberechtigung aller Menschen und ihrer Seelen aus.
Mit dem Ausdruck „andere Weltreligionen“ versucht sich Scientology, selbst als Religion darzustellen. Scientology ist aber keine Religion, schon gar keine Weltreligion, sondern eine totalitäre Sekte, der es darum geht, möglichst viel Geld zu machen und die sinkende Mitgliederzahlen zu beklagen hat.
„Mach Geld. Mach mehr Geld. Mach daß andere Leute produzieren um mehr Geld zu machen.“ (39)
Zu dem Verständnis von Gleichberechtigung verweisen wir auf die zuvor genannten Zitate und die Ausführungen zu den „zwei Arten von Menschen“ (40), die sich in Einführung in die Ethik der Scientology finden.
Gleichzeitig verlangte die Scientology-Kirche hierin implizit und in späteren hierauf aufbauenden internen Kodizes entsprechend, verbindlich und ausdrücklich spätestens seit 1969, von den Mitgliedern die Beachtung und Förderung der Menschenrechte und die Befolgung des Grundsatzes „des gleichen Rechts für alle“.
„Eine wahrhaft unterdrückerische Person oder Gruppe hat keinerlei Rechte eines Scientologen.“ (41)
„Der Anti-Scientologe (…) Der Zustand von Anstaltinsassen lässt sich gewöhnlich auf den Kontakt mit solchen Persönlichkeiten zurückführen. Wir sehen also, dass es für Regierungen, für polizeiliche Tätigkeiten (…) wichtig ist, diesen Persönlichkeitstyp erkennen und herausisolieren zu können, um die Gesellschaft und das Individuum vor den destruktiven Folgen zu schützen, die entstehen, wenn man solchen Personen freies Spiel gewährt (…)“ (42)
„Nur der geistig gesunde, wohlausgeglichene Mensch versucht, sein Verhalten zu verbessern.“ (43)
„Ebenso könnte sowohl soziale als auch wirtschaftliche Erholung eintreten, wenn die Gesellschaft diesen Persönlichkeitstyp als ein krankes Wesen erkennen und ihnen isolieren würde, so wie man jetzt Leute mit Pocken in Quarantäne steckt.“ (44)
Das innerkirchliche Disziplinarsystem ist, wie bei vielen anderen Vereinen oder Religionsgemeinschaften auch, nur für interne disziplinarische Angelegenheiten zuständig oder als Schlichtungsstelle für zivilrechtliche Angelegenheiten unter Mitgliedern und – das Einverständnis der Streitparteien eines derartigen Verfahrens vorausgesetzt – auch zwischen einem Mitglied und einem Nicht-Mitglied.
Ein Strafsystem wie das von Scientology ist bei anderen Vereinen oder Religionsgemeinschaften nicht bekannt, allenfalls einige andere Sekten verfügen über ähnliche Ansätze, haben sie aber nicht so entschieden ausgearbeitet wie Scientology dies getan hat.
Wie man sich ein solches Schlichtungsverfahren mit Nicht-Mitgliedern vorzustellen hat, könnte der Fall LisaMcPhearson andeuten. Nach dem Tod der jungen Frau in der Obhut von Scientology kam es 2004 zur Einstellung des Zivilverfahrens, das durch die Familie von Lisa McPhearson angestrebt wurde, durch einen vertraulichen Vergleich.
Die Familie von LisaMcPhearson bemüht sich bis heute um Aufklärung. Das Strafverfahren gegen die zuständige Scientology Abteilung (FSO) wurde eingestellt, nachdem man den Betreuern von Lisa McPhearson Straffreiheit zusicherte, um die Mauer des Schweigens zu durchbrechen. (45)Man hat letztlich nur vage Andeutungen, welche Funktion die sogenannte Schlichtungsstelle wirklich erfüllt.
Diese Schlichtungsstelle dient letztlich auch der Entlastung der Zivilgerichte. Alle solchen zivilrechtlichen Angelegenheiten werden – dem Charakter der Schlichtungsstelle entsprechend – von einem Kaplan der Scientology-Kirche geleitet.
Scientology versucht an dieser Stelle, der eigenen Schlichtungsstelle noch eine positive Note zu verleihen. Wenn die Schlichtung nach scientologischer Art allerdings dazu führt, dass wie im Fall Lisa McPhearson eine Aufklärung verhindert wird, stellt sich die Frage, ob Scientology mit dieser Aussage nicht eher die Annahme bestätigt, dass sie ein Rechtssystem unabhängig von den staatlichen Instanzen installiert haben.
Rechtsanwälte sind in solchen Verfahren grundsätzlich zugelassen, auch wenn so genannte „Experten“ anderer Meinung sind.
Es stimmt auch mit unseren Recherchen überein, dass Experten, die sich mit Scientology seit Jahren befassen und in vielen solcher Verfahren ermittelt haben, die Meinung vertreten, dass die Aussage von Scientology, es wären Rechtsanwälte (die nicht Scientologen sind) zu den Verfahren zugelassen, nicht richtig ist,
Zum Vergleich müssten eher die existierenden innerkirchlichen Rechtssysteme aller Weltreligionen, hinsichtlich ihrer tatsächlichen Schnittstellen mit dem jeweiligen staatlichen Rechtssystem, weit mehr Anlass zur Besorgnis geben, als die innerkirchlichen Disziplinarverfahren der Scientology-Kirche.
Hier wendet Scientology wieder die Strategie an, von sich selbst abzulenken und die Situation relativieren zu wollen. Auch stellt sich Scientology erneut auf eine Stufe mit den Weltreligionen, was schon per Definition verkehrt ist, da Scientology nur in einigen Staaten als Religion anerkannt wurde (neben der Spagetti-Monster-Religion, Church of Satan und anderen Merkwürdigkeiten).
Der restliche Brief ist im groben nur eine Wiederholung schon genannter Ansätze. Gerade bei Scientology ist es üblich – und wird im Rahmen der Trainingsroutinen, die Teil aller Scientology Programme sind – mit der Wiederholung von Mustern oder Worten Menschen zu konditionieren und bestimmte Überzeugungen zu suggerieren. Uns fiel während der Analyse der Erklärung des eingetragenen Vereins auf, dass auch hier mit der Wiederholung von Statements gearbeitet wurde. Wir nehmen an, dass sich die Scientology Kirche Bayern e.V. darüber sehr wohl im Klaren war und mit dieser Methode bewusst gearbeitet hat.
Wir hoffen, mit unserer Analyse etwas zur Aufklärung beigetragen zu haben. Wir nehmen an, bald wird es eine neue Stellungnahme geben, wir werden auch diese wieder im Keim ersticken und sie als Grundlage nutzen, um den Menschen die Rhetorik und Manipulationsstrategien von Scientology zu erklären und die Machenschaften und Denkweise dieses totalitären, demokratie- und menschenfeindlichen Systems zu vermitteln.
Wenn Du Scientologe und durch diesen Text zum Nachdenken gekommen bist, wende Dich ruhig an die Behörden in Deiner Gegend oder nimm Kontakt zu einer Anonymous Gruppe auf, die Dir helfen können, aus der Sekte auszusteigen. Wir wissen, dass Du ein guter Mensch bist und Dich verbessern wolltest. Die Brücke zur Freiheit liegt jenseits von Scientology.
- Email von Debbie Cook, die sie an 12000 OTs schrieb
- Dianetik, L.R. Hubbard, S. 26
- Dianetik, L.R. Hubbard, S. 43
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R. Hubbard, S.159
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R. Hubbard, S.153
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R. Hubbard, S.153
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R. Hubbard, S.177
- HCOPL, 13.03.1961 in OEC Band 7 Seite 487, ingo-heinemann.de
- HCOPL, 13.03.1961 in OEC Band 7 Seite 487, ingo-heinemann.de
- „Der gesäuberte Planet – die Reise ins Innere der Scientology“, http://www.ilsehruby.at/thetan.html
- „Creating a new Civilization“, L.R.Hubbard, Vortrag, http://www.ilsehruby.at/hrubybookgerman.html
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R.Hubbard, S.25
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R.Hubbard, S.25
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R. Hubbard, S. 201 – 208
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R. Hubbard, S. 209
- HCOPL, Penalties for lower conditions, L.R.Hubbard
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R. Hubbard, S.236
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R.Hubbard, S.196
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R.Hubbard, S.197
- Ebd.
- Ebd.
- Ebd., S.198
- Ebd., S.200
- Ebd., S.200
- Ebd., S.78
- Im Labyrinth der Scientology, Norbert Pothoff, S. 223
- Relilex online, Joachim Happel, Referenz: Bayerisches Staatsministerium des Inneren
- Scientology ist eine kriminelle Organisation, Hendrik Ternieden, Spiegel Online 20.11.2009
- Gehirnwäsche im Rehabilitation Project Force, Behörde für Inneres,
http://www.hamburg.de/contentblob/109284/data/gehirnwaesche.pdf- http://www.verfassungsschutz-bw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=82&Itemid=125
- „Verfassungsschutz darf Scientology weiter überwachen“, RP online, 12.2.2008
- Scientology Handbuch, Das Gesetz der Dritten Partei, http://german.scientologyhandbook.org/sh8_1.htm
- Scientology Handbuch, Das Gesetz der Dritten Partei, http://german.scientologyhandbook.org/sh8_1.htm
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R.Hubbard, S.115
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R.Hubbard, S.118
- WISE-Richtlinie Nr. 2 vom 5. 5. 1986 / und http://www.anti-scientology.ch/wise-firmen.htm
- Dianetik, L.R. Hubbard, S. 373
- Dianetik, L.R. Hubbard, S. 483
- HCOPL Issue I, L.R. Hubbard, 09.03.1972
- Einführung in die Ethik der Scientology, L.R. Hubbard, S. 109
- Ebd., S. 236
- Ebd., S. 113 – 114
- Ebd., S. 118
- Ebd., S. 120
- „Wo ist das Lächeln von Lisa McPhearson?“, http://www.ilsehruby.at/LisaMcPherson.html
Debbie Cook und eine Verurteilung in Frankreich
In diesem Blog werde ich mich mal nicht mit den Kindern beschäftigen, die in Scientology leben und aufwachsen müssen, aber dennoch sind diese Informationen auch positiv für sie.
Viel ist passiert in der letzten Zeit, zum einen hat sich eine hochrangige Scientologin, Debbie Cook, die der Sekte und Hubbard noch treu ergeben ist, sich mit einer Mail an 12 000 OTs (Operierende Thetane) gewandt. In dieser Mail hat sie die „Führungsspitze“ kritisiert. Sehr ungewöhnlich und mutig für eine noch in der Sekte praktizierende Scientologin. Die deutsche Übersetzung der Mail gibt es hier zu lesen.
Die Sekte verklagte nun Debbie Cook, der scientologische Geheimdienst (OSA)wurde auch aktiv, sie versuchten der scientologischen Welt glaubhaft zu machen, dass die Mail nicht von Debbie Cook kam, dann versuchten sie Debbie Cook als eine PTS darstehen zu lassen, in dem sie ihr vorwarfen sie hätte Kontakt zu Kritikern etc. Debbie Cook nahm sich jetzt einen Anwalt mal sehen, wie die ganze Sache ausgehen wird. Zumindest fängt in der Sekte kritisches Denken an, dies ist imo ein kleiner Lichtblick auch für die scientologischen Kinder.
Gestern freute ich mich riesig, dass ein Pariser Berufungsgericht die Verurteilung der Scientology Organisation wegen bandenmäßigen Betrugs bestätigt hat. Die Frankfurter Rundschau schrieb hierzu:
Urteil gegen Scientology gefallen
Die umstrittene Scientology-Organisation ist in Frankreich wegen bandenmäßigen Betrugs zu insgesamt 600.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Ein Pariser Berufungsgericht bestätigte am Donnerstag eine entsprechende Entscheidung aus erster Instanz.
Paris –
Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich zwei Unterorganisationen mit illegalen Mitteln bereichert hatten. Sie sollen unter anderem in den 90er Jahren eine Frau dazu verleitet haben, in kurzer Zeit mehr als 21.000 Euro für Bücher, Medikamente und Kurse zur Lebensbewältigung auszugeben.
Neben der Scientology-Organisation bestrafte das Gericht auch die Drahtzieher der Taten. Zwei Führungspersonen bekamen je eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung und müssen 30.000 Euro Geldstrafe zahlen.
„Das ist eine historische Entscheidung“, kommentierte Olivier Morice, der Anwalt der Anti-Sekten-Organisation Unadfi. Seiner Meinung nach ist das Urteil nur der Beginn eines Weges, der zum Verbot von Scientology führen könnte. Es ist das erste Mal, dass die Organisation in Frankreich wegen bandenmäßigen Betrugs verurteilt wird.
Scientology-Verbot gefordert
Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Ursprungsverfahren zunächst ein Verbot von Scientology gefordert. Wenig später wurde allerdings bekannt, dass eine solche Strafe in einem Betrugsfall gar nicht mehr möglich ist. Ein entsprechendes Gesetz war kurz vor Beginn des ersten Prozesses im Jahr 2009 geändert worden.
Scientology wurde 1954 von dem Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard in den USA gegründet. Die Organisation hat ihre Zentrale in Los Angeles und bezeichnet sich selbst als Kirche.Die Bundesregierung sieht Scientology dagegen nicht als Religionsgemeinschaft an. Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes enthält die scientologische Programmatik „zahlreiche tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen und für das Ziel der Errichtung einer totalitären Staatsordnung und einer Willkürherrschaft.“ (dpa)
Viel ist passiert in der letzten Zeit und ich finde es schön dabei zuzuschauen, wie dieser Kult langsam aber beständig in seine Schranken verwiesen wird und vielleicht wird er irgendwann ganz verschwinden.
Wie Scientology neue Mitglieder im Internet einfangen will…
Scientology versucht gezielt das Internet für seine Zwecke zu missbrauchen und über dieses neue Mitglieder zu rekrutieren. Hierzu nutzt Scientology unter anderem Soziale Netzwerke, wie z.B. Facebook. Der Verfassungsschutz Baden – Württemberg schreibt hierzu.
Die SO ist auch verstärkt in sozialen Netzwerken im Internet aktiv. Die Hinweise mehren sich, dass eine wachsende Zahl von Jugendlichen unwissentlich zumindest in einen ersten Kontakt zu Gruppen gerät, bei denen es sich um Unterorganisationen der SO handelt. Dieser Hintergrund wird aus taktischen Gründen anfangs oft verschleiert.
Wie versuchen Scientologen, in sozialen Netzwerken Kontakte zu Anwerbezwecken aufzubauen? Bislang ergibt sich nicht der Eindruck, dass Scientology etwa auf breiter Front Teilnehmer sozialer Netzwerke anschreiben würde. Vielmehr bleibt die Intensität und Art der Aktivität wohl dem einzelnen Scientology-Mitglied überlassen. Hierzu ein fiktives Beispiel, das aufzeigen soll, wie es ablaufen könnte:
Bei Facebook erhält eine ,ganz normale‘ Jugendliche – nennen wir sie Katharina – eine „Freundschaftsanfrage“ eines gleichaltrigen jungen Mannes, Patrick, die sie zunächst bestätigt. Oft sind solche Internetkontakte erst einmal sehr oberflächlich. Aber: Durch bestätigte Freundschaftsanfragen erhält der Anfragende sehr häufig Zugriff auf persönliche Daten des Facebook-Profils der Kontaktperson. In unserem Beispielfall könnte es so weitergehen: Katharina tauscht sich im Facebook-Chat intensiver mit dem neuen Bekannten aus. Sie findet Patrick nett und registriert, dass er wie sie denkt und ganz ähnliche Interessen angibt (was kein Wunder ist, schließlich kennt er ihre Interessen und Wünsche von ihrem Facebook-Profil). Sie sieht wiederum auf seinem Profil, dass er eine Gruppe namens „Jugend für Menschenrechte“ gut findet. Über den dort geschalteten Link kommt sie direkt auf die Website von „Jugend für Menschenrechte“. Dort erwartet das Mädchen ein professionell gestaltetes Medienangebot, das speziell auf ein jugendliches Zielpublikum zugeschnitten ist.
„Jugend für Menschenrechte“ ist eine Hilfsorganisation von Scientology. Aber in unserem Beispielfall ist von Scientology immer noch keine Rede. Der junge Mann findet Katharinas Interesse „super“. Er lädt sie zu einem Treffen einer „Jugend für Menschenrechte Ortsgruppe“ mit anderen Gleichaltrigen ein. Wenn sie zu einem solchen Treffen gehen sollte, wird der bislang virtuelle zum ersten persönlichen Kontakt mit Scientology, ohne dass sich die junge Frau dessen bewusst ist.Junge Menschen sind oft offen für Neues, sehr idealistisch und wollen sich für eine gute Sache einsetzen. Stets besteht hierbei die Gefahr, dass dieser Idealismus von gefährlichen Organisationen missbraucht wird. Die Zahl der Facebook-Gruppen, die auf die SO zurückgehen, ist in den letzten Jahren ständig gewachsen. Sie tragen Namen wie „Parents against Drugs“ oder „Dianetik Freunde“ und richten sich auch an Erwachsene…
Des weiteren wirbt Scientology gezielt im Internet für ihre Organisation, dies sieht man z.B. sehr gut auf Youtube. Dort hat die Organisation einen eigenen Channel, der Werbevideos für die scientologischen Frontgruppen verbreitet. Hier sieht man noch, das es sich um Scientology handelt, aber durch die Verbreitung der Videos durch scientologische „Jünger“ ist dies nicht mehr ersichtlich.
Bei den folgenden Videos handelt es sich um scientologische Werbevideos, dies möchte ich hier noch einmal ausdrückliche betonen. Sie dienen als exemplarische Darstellung der Internet – „Werbemaschine“ Scientology.
Der Baden-Württembergische Verfassungsschutz schreibt hierzu weiter.
Die letzte Entwicklung hierzu ist, dass die SO nach Eigenangaben ein 4,5 Hektar großes Fernsehstudiogelände in Los Angeles erworben hat, um ihre weltweiten Medienaktivitäten auszuweiten. Unter anderem plant die Organisation, einen eigenen Internet-TV-Kanal zu eröffnen. (auf Youtube gibt es schon einige Kanäle, z.B. Deine Menschenrechte oder ScientologyFernsehen Anmerkung der Verfasserin) Selbstverständlich hat Scientology, wie auch andere politisch-extremistische Organisationen, die wachsende Bedeutung des Internets erkannt. Die klassische Straßenwerbung tritt in ihrer Bedeutung dagegen immer mehr in den Hintergrund. Inwieweit Scientology dadurch ihr Mitgliederpotenzial erhöhen kann, ist noch nicht absehbar. Diese Entwicklung muss allerdings sehr aufmerksam beobachtet werden.
Wie kann man sich schützen? Generell gilt: Aufmerksam sein; Angebote in sozialen Netzwerken (kritisch) hinterfragen; darauf achten, wie die Copyrights lauten; nachfragen, wer etwa ein Anti-Drogen-Konzept, eine Lernhilfe oder ein Managementkonzept entwickelt hat. Bei Scientology ist das stets deren Gründer L. Ron HUBBARD. In Copyrightvermerken wie „L. Ron Hubbard Library“ oder „Hubbard College of Administration“ steckt bereits sein Name. Bei ausweichenden Antworten auf klare Fragen erscheint grundsätzlich Misstrauen angebracht. Im Zweifelsfall genügt oft eine Internetrecherche, um schon nach kurzer Zeit zu erkennen, dass zum Beispiel hinter einer Organisation wie „Applied Scholastics“ (ApS) oder „Association for Better Living and Education“ (A.B.L.E.) Scientology steht….
Zu diesem Thema noch ein Bericht von Westpol.
Auditing im täglichen Umgang mit dem Kind
Wird d
as Kind älter, wird es darauf trainiert, zugänglich für die späteren Auditing-Sitzungen zu werden. Dafür wird bei einer Verletzung eines kleineren Kindes Beistand (scientologisch Assist) geleistet. Die eigentliche Aufgabe des Beistandes ist, irgend etwas zu tun, was eine gegenwärtige Beschwerde des Kindes lindert.(Vgl.: Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S. 69f)
Bei der Verletzung eines kleinen Kindes soll nicht gesprochen bzw. getröstet werden, sondern das Kind soll weinen, bis es wieder zu lachen beginnt.
„Man kann vieles tun, um einem Kind zu helfen, das hingefallen ist, sich eine kleinere Schnittwunde oder etwas ähnliches zugezogen hat. Bei kleineren Kindern scheint es manchmal genug zu sein, sie einfach ausweinen zu lassen. Wenn ein Kind verletzt ist, werden sich die meisten Leute dabei ertappen, dass sie – fast bevor es ihnen selbst bewußt ist – beruhigende und tröstende Worte sprechen. Und sie werden gewöhnlich das sagen, was sie schon hundertmal gesagt haben, als das Kind verletzt war. Dies erinnert das Kind an die ganze Kette von früheren Verletzungen. Eltern können einem Kind am meisten helfen, indem sie nichts sagen… Schweigen bedeutet nicht, dass man keine Zuneigung empfindet oder ausdrückt. Man kann den Arm um das Kind legen oder es halten, wenn es das möchte. Wenn nichts gesprochen wird, wird ein kleines Kind oft ungefähr eine Minute lang heftig weinen und dann plötzlich aufhören, lächeln und zu der Sache zurücklaufen, bei der es gerade war. Wenn man dem Kind erlaubt zu weinen, scheint sich die Spannung, die von der Verletzung herstammt, zu lösen, und ein Beistand ist in diesem Fall nicht erforderlich. Tatsächlich ist es oft sehr schwierig, ein Kind zu veranlassen, zu dem Moment der Verletzung zurückzukehren, wenn es die Spannung auf diese Weise freigesetzt hat“(New Era Publications, Kinder: ein Auszug aus dem Scientology-Handbuch, Kopenhagen, 1994, S.16)
Grundsätzlich soll also durch das Schweigen verhindert werden, dass bei dem Kind Engramme entstehen bzw. sich ein Lock entwickeln kann. Ein zweites Ereignis, das das Kind an ein Engramm erinnert, wird Secondary genannt. Jedes weitere Ereignis, was das Kind an den Moment des Schmerzes erinnert, wird Lock genannt. Diese drei Umstände bilden Ketten, die aus vielen Bild- und Emotionsinformationen bestehen. In diesen Ketten sind nach Hubbard Energien gespeichert, die dem Menschen in der Gegenwart fehlen.
Bei älteren Kindern – ab fünf Jahren – soll jedoch normalerweise ein Beistand (Assist) geleistet werden aber auch bei jüngeren Kindern, wenn diese schon eine Lock-Kette besitzen.(Vgl. New Era Publications, Kinder: ein Auszug aus dem Scientology-Handbuch, Kopenhagen, 1994, S.17)Dieser Beistand ähnelt nach meiner Meinung dem Auditing. Ein Beispiel für einen solchen Beistand findet sich in dem Auszug aus dem Scientology Handbuch: Kinder.
„Wenn das Kind nicht mehr benommen ist, fragen Sie es: `Was ist passiert? Wie hast du dir weh getan? Erzähl mir darüber.´ Wenn es beginnt darüber zu erzählen, stellen Sie es auf die Gegenwart um, falls es die Geschichte von sich aus nicht in der Gegenwart erzählt. Versuchen Sie es auf diese Weise:
`Nun – ich stand auf einem großen Felsen und dann bin ich ausgerutscht und hingefallen und…´ (Weinen)
`Tut es weh, wenn du auf dem Felsen stehst?´
`Nein.´
`Was passiert, wenn du auf dem Felsen stehst?´
`Ich rutsche aus…´ (Weinen)
`Was passiert dann?´
`Ich falle auf den Boden.´
`Ist da Gras auf dem Boden?´
`Nein-es ist ganz sandig.´
`Erzähl mir noch einmal darüber.´
Sie können das Kind mehrere Male durch das Geschehnis durchgehen lassen, bis es ihm langweilig wird oder bis es lacht.“(New Era Publications, Kinder: ein Auszug aus dem Scientology-Handbuch, Kopenhagen, 1994, S.17)
Das Verfahren des Beistandes soll verhindern, das sich Locks und Secondaries bilden.
Hat sich bei dem Kind schon eine Lock-Kette gebildet und diese soll gelöscht werden, dann wird das Verfahren der Erinnerung angewendet. Das Kind soll an andere Gegebenheiten erinnert werden, die es mit der momentanen schmerzhaften Situation in Verbindung bringt und durch diese so lange hindurchgehen, bis das Kind anfängt zu lachen bzw. es ihm wieder langweilig wird. Diese Lock-Kette ist daraufhin, wie bei einem Auditing, gelöscht.
„Das Kind auffordern, sich zu erinnern, kann in Hunderten von Situationen verwendet werden, die sich täglich ereignen: immer wenn das Kind mürrisch oder unglücklich ist und über etwas weint; wenn es sich leicht krank fühlt; wenn es offensichtlich durch etwas restimuliert worden ist; wenn es eine Dramatisation (ein erneutes Abspielen in der Gegenwart von etwas, das in der Vergangenheit geschehen ist) mit angehört hat oder es jemand schwer bestraft oder dem Kind gegenüber etwas dramatisiert hat; wenn es sich zurückgewiesen fühlt – in der Tat jedesmal, wenn ein Kind aus irgendeinem Grund unglücklich oder ängstlich ist oder Sie wissen, dass es ein sehr restimulierendes Erlebnis gehabt hat… Diese Technik kann natürlich erst dann verwendet werden, wenn das Kind ausreichend sprechen gelernt hat, um einen zusammenhängenden Bericht darüber zu geben, was es denkt und fühlt. Wenn sich das Kind unwohl (nicht ernsthaft krank) fühlt, können Sie damit beginnen, indem Sie es fragen, wann es sich früher schon einmal so gefühlt hat. Normalerweise wird sich ein Kind daran erinnern. Wenn Sie dann weitere Fragen darüber stellen, was geschah, was es zu jener Zeit tat, wer gesprochen hat, was gesagt wurde, wie es sich fühlte, dann wird es die Szene anschaulich beschreiben. Wenn das Kind dies tut, lassen Sie es einfach einige Male durch das Geschehnis hindurchgehen… Aber seien Sie nicht allzu mitfühlend. Zeigen Sie Zuneigung und Interesse – ja. Aber Sie dürfen nicht sentimental werden und in jammerndem Ton Sätze wie `Armes Baby, armes kleines Ding!´ sagen. Dies könnte bewirken, daß das Kind die Verletzung oder Verstimmung als wertvoll erachtet, weil sie bewirkt hat, daß es spezielle Aufmerksamkeit und Mitleid erhielt.“(15) Weiter hinten in der Broschüre heißt es dann: „Lassen Sie das Kind sich das Geschehnis einige Male zurückrufen, bis es lacht. Dies wird das Kind von der Restimulation befreien.“(New Era Publications, Kinder: ein Auszug aus dem Scientology-Handbuch, Kopenhagen, 1994, S.22)
Das eigentliche Ziel im Umgang mit Kindern ist also, die Verhütung von Engrammen beim ungeboren Kind, das Durchführen von Assist bzw. Beistand bei leichteren Verletzungen und das Entfernen von Locks mit Hilfe der Erinnerung. Dieses ist eine klare Vorbereitung der Kinder auf das Auditing, bzw. ähneln diese Verfahren schon sehr dem Auditing. Kurt-Helmuth Eimuth sieht in den oben beschriebenem Verfahren sogar eine Praktizierung des Auditings im täglichen Umgang mit dem Kinde, (Vgl.: Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S.72f) da hier das Auditing in vereinfachter Weise in jeder Situation mit den Kindern durchgeführt wird. Ein reguläres Auditing soll mit Kindern ab 8 Jahren durchgeführt werden.


