Psychische Abhängigkeit und Verschuldung

Die Mitgliedschaft hat extreme Auswirkung auf den Einzelnen. Es kommt vor, dass der Anhänger sich hoch verschuldet, um die Kosten für den angeblichen Heilsweg bezahlen zu können. Gravierender sind jedoch die psychischen Folgen. Die autoritäre Struktur der Organisation führt zur Abhängigkeit von dieser und zur Isolierung der Mitglieder von ihren bisherigen Bindungen, die Sucht nach vermeintlichen Erfolgs- und Glückserlebnissen und Aufstieg und Fortschritt innerhalb dieser Gruppe führt zum Konsum von Kursen, Schriften, Büchern, egal, wie hoch der Preis dafür ist. Der Ausstieg aus Scientology fällt schwer, meistens benötigen ehemalige Scientologen eine ärztliche, therapeutische Behandlung

Wirtschaftliches Interesse spielt eine zentrale Rolle. Hubbard erklärte: “der einzige Grund, aus dem es Organisationen gibt, ist die Aufgabe, Materialien und Dienste an ihre Mitglieder gegen einen Beitrag zu verbreiten und zu vermitteln und Personen aus der Öffentlichkeit hereinzuholen, an die man diese Verbreiten und vermitteln kann.” Also mit anderen Worten es geht ums Verkaufen. Es geht in Scientology immer nur ums Geld.

 

Belohnung und Bestrafung – „Zuckerbrot und Peitsche“

Die Mitglieder werden sehr eng an Scientology gebunden. Durch ein gut funktionierendes Belohungs- und Bestrafungssystem wird der Einzelne dazu gebracht, sich den Regeln der Organisation zu unterwerfen. Belohnung erfolgt meist durch Vergüngstigungen für Kursgebühren, Bestrafung in Form von Wiedergutmachungsarbeiten. Da jegliche Kontrolle, die wir gegenüber der Öffentlichkeit ausüben, zu einer besseren Gesellschaft führt, ist es absolut gerechtfertigt, das wir Kontrolle ausüben heißt es in einem von L. Ron Hubbard verfassten Policy Letter (scientologische Gesetzestexte)(HCO PL 21.2.61, OEC Band 1 Seite 110). Meist beginnt kurz nach den ersten Auditings eine Persönlichkeitsveränderung. Durch die pausenlosen Inanspruchnahme der Mitglieder durch Kurse, Auditings und das Lesen von Hubbards Schriften kippt das selbständige Denken, die Mitglieder folgen immer gleichen Ideen und Argumentationsmustern.

Des weiteren betreibt Scientology in ihren Hauptzentren Strafgefangenenlager RPFs genannt. Hubbard gründete diese RPFs auf seinem Schiff der Apollo.

Anfang 1974 wurde an Bord des Sea Org-Flagschiffes, der „Apollo“, das „Rehabilitation Projekt Force“ (RPF) eingeführt. „Wer zum RPF-Insassen wurde, mußte die Reste essen, die die Schiffscrew übrig gelassen hatte. Er durfte nicht ohne Erlaubnis mit anderen Passagieren sprechen, trug zur Kennzeichnung einen blauen Overall und durfte sich nur im Trab bewegen. Ein gewöhnlicher Grund, jemanden ins RPF zu schicken, war dessen Absicht, Scientology zu verlassen.“

Aus einer Eidesstattlichen Versicherung ehemaliger Scientologen (ABI 12-80-82)

„Während meines Aufenthaltes auf der Apollo beobachtete ich zahlreiche Strafen, die verhängt wurden, wegen vieler kleiner Übertretungen oder Fehler im Zusammenhang mit den sehr strengen und exzentrischen Richtlinien Hubbards. In vielen Fällen beobachtete ich, wie jemand in die „Kettenkästen“ des Schiffes gesteckt wurde, und zwar auf direkten Befehl Hubbards. Diese Kästen waren kleine, übelriechende Löcher, die mit Gittern abgedeckt waren und zur Lagerung der Ankerkette dienten. Ich sah, wie ein Junge dort 30 Nächte lang eingesperrt wurde, er heulte und bettelte, herausgelassen zu werden.

Er durfte nur herauskommen, um das Schiffsdeck dort zu reinigen, wo der Schiffsabfall gesammelt wurde. Ich glaube, daß es sich bei seinem Vergehen darum gehandelt hat, daß er einem anderen ohne Erlaubnis ein Musikinstrument – ich glaube, es war eine Flöte- wegnahm oder sie benutzte. Ich erlebte auch, daß ein Junge und ein Mädchen zu getrennten Zeiten in die Kettenkästen gesteckt wurden, weil sie mit anderen in eine Schwärmerei verwickelt waren. Hubbard verbot den Umgang mit dem anderen Geschlecht -oder „out 2D“ – wie es bei Scientology genannt wird – blindlings. Verheiratete durften einander treffen, wobei aber eine strenge Überwachung erfolgte“

Kritiker gelten als Unterdrücker (Geisteskrank oder Kriminelle). Sie werden “Suppressive Personen” (SPs) gennant. Mitglieder, die Kontakt zu Unterdrückern halten, werden als mögliche Verursacher von Schwierigkeiten angesehen, denn es könnte passieren, dass sich ein Scientologe von einem Kritiker überzeugen lässt und vielleicht aussteigt. Dagegen bietet Scientology einen Spezialkurs an, bei dem ein Scientologe lernt, wie er diese Unterdrückung zu handhaben hat. Schafft er dies nicht, wird er mit einer Bestrafung rechnen müssen oder er trennt sich von dieser unterdrückerischen Person, die auch das eigene Kind, die Eltern oder die besten Freunde sein können (Disconnection).

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Auditing / Technologie

Scientology bietet ein durchorganisiertes Programm (“Technologie”) an, das weltweit nach festen Richtlinien geführt wird. Dazu gehören Kurse (Kommunikationskurse bzw. Selbsterfahrungskurse etc.) und das Aufsteigen in der scientologischen Hierarchie, das “Processing”, das bedeutdet ständige Auditing – Sitzungen, Streben nach Anerkennung und Erfolg innerhalb der Organisation.

Das Auditing ist nichts anderes als eine Abfragetechnik mit einem elektronischen Meßgerätes (E-Meter), das u.a. als eine Art von Lügendetektor bezeichnet worden ist. Dabei werden vom Auditor (=Zuhörer) dem sog. “Preclear” (=Neuling) Fragen gestellt, die häufig auch bis in die intimsten Lebensbereiche gehen können. Das komplette Auditing wird schriftlich aufgezeichnet  und in einer “Ethikakte” hinterlegt. Die Scientologen bezeichnen diese Befragungsaktion als “Beichte”. Dadurch soll der Befragte den Eindruck erhalten, dass seine Äußerungen als vertraulich gesehen werden. Ehemalige Scientologen berichten dagegen, dass dieses angebliche Beichtgeheimnis immer wieder auch öffentlich von Scientologen missbraucht wurde.

Das Ziel des Auditing ist es, über die verschiedenen Kursstufen die sogenannte “Brücke” hinaufzusteigen, bis zunächst der Zustand “Clear” (=frei von körperlichen und seelischen Schmerzerlebnissen) erreicht ist. Zumeist endet das Auditing mit einer angenehmen Empfindung, eine kurze Phase der Euphorie; Hoffnung auf Glück und Fortkommen führen fast bis zur Sucht nach immer weiteren Sitzungen und Kursen. Den Mitgleidern wird versprochen, auf diesem Wege von Ängten, Leistungsschwächen, Frust etc. frei zu werden. Die weiterführenden Kurse werden währenddessen immer teurer, aber dies erscheint immer nebensächlicher.

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Anwerbung / 1. Kontakt

Scientology setzt sehr geschickt kostenlose Einführungsangebote (z.B. Persönlichkeitstests) und für jedermann erschwingliche Trainigskurse ein. Damit sollen Neulinge geködert werden, ihnen Erfolgserlebnisse ermittelt und eine Scientology gegenüber positive, aufgeschlossene Grundeinstellung erzeugt werden. Postwurfsendungen sind ein häufiges Werbemittel hier wird mit einem kostenlosen Persönlichkeitstest geworben oder aber auch der kostenlose Stresstest, den Scientology an leuchtend roten Ständen in den Städten anbietet. Die Auswertungen dieser gesteuerten Tests weisen meist schwerwiegende Persönlichkeitsprobleme beim Kunden nach und sie sollen ihn dazu bringen am Angebot von aufeinander aufbauenden Kursen teilzunehmen und die dazu notwendigen Schriften und Bücher zu kaufen, um seine persönlichen Schwierigkeiten zu beseitigen. Die Preise für die Kurse sind anfangs erschwinglich, steigern sich jedoch schnell.

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