FBI ermittelt gegen die Scientology – Organisation wegen Menschenhandel und Kinderarbeit

Das Hamburger Abendblatt schreibt am 09. Februar 2011 hierzu:

„FBI ermittelt wegen Kinderarbeit für Scientologen Tom Cruise

Miami. Scientology ist erneut ins Zwielicht geraten. Die amerikanische Bundespolizei FBI ermittelt in Kalifornien wegen Menschenhandels und Sklavenarbeit von Kindern gegen die selbst ernannte Kirche.

Hollywood-Regisseur und Oscar-Gewinner Paul Haggis, 57, („Crash“, „Million Dollar Baby“) hat im Magazin „New Yorker“ schwere Vorwürfe gegen Sektenführer David Miscavige, 51, und Schauspieler Tom Cruise, 48, erhoben. Auf 26 Seiten berichtet das ehemalige Scientology-Mitglied über die Machenschaften der Sekte. Miscavige, der Trauzeuge von Cruise und Katie Holmes, 32, war, soll junge Mitglieder geschlagen, eingesperrt und sogar zehn Jahre alte Kinder wie Sklaven unbezahlt zur Arbeit eingesetzt haben.

Einer der Profiteure: Tom Cruise. Er ließ sich angeblich Motorräder, Autos und ein Büro umbauen – für einen Lohn von 50 Dollar (37 Euro) pro Woche, berichtet der „New Yorker“. Der Hollywoodstar und Scientology streiten die Vorwürfe ab, schalteten ihre Anwälte ein. Das FBI wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern, die Ermittlungen dauerten an, sagte ein Sprecher.“

Hintergrundinformation zu diesem Artikel in Englisch:

http://www.newyorker.com/reporting/2011/02/14/110214fa_fact_wright

Wer schreibt hier?

Ich freue mich, dass Sie den Weg auf meinen Blog gefunden haben. Dies bedeutet, dass Sie das Thema Scientology, Kindheit in Scientology oder aber das Thema Kulte/Sekten generell interessiert. Vielleicht sind Sie ja auch selber von der Thematik in irgendeiner Weise betroffen.

Dieser Blog beschäftigt sich in erster Linie mit der Kindheit in Scientology. Ich möchte auch über weitere Verbrechen der Scientologyorganisation aufklären. Auch beschäftige ich mich ab und an mit den Auswirkungen anderer Kulte auf Kinder oder Erwachsene.

Ich bin Nicole Scheffler, verheiratet, Mutter von 2 Kindern, Diplom Sozialarbeiterin (Fh), lebe im Sauerland/Westfalen und ich bin mittlerweile seit fast 2 Jahrzehnten in der Kinder- und Jugendhilfe bzw. Kinder- und Jugendarbeit tätig. Ich schreibe diesen Blog auf Grund meiner persönlichen Erfahrung mit der Scientologyorganisation.

Ich hoffe, ihre Fragen bezüglich Kindheit in Scientology mit meinem Blog beantworten zu können, aber dennoch stehe ich immer für Rückfragen unter meiner Mailadresse kindseininscientology@gmx.de zur Verfügung.  Auch generelle Fragen zu Scientology, Sekten und Kulte beantworte ich gerne.

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Die fehlende Identitätsbildung bei Kindern und Jugendlichen in Sekten nach Kurt-Helmuth Eimuth

Ein wichtiger Aspekt der psychischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Sekten ist die fehlende Identitätsbildung. Dieses Entwicklungsdefizit kann innerhalb aller Sekten beobachtet werden.

Kurt – Helmuth Eimuth hat in seinem Buch „Die Sekten-Kinder“ eine Erklärung für die fehlende Identitätsbildung entwickelt. Alle folgenden Zitate stammen aus Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220 -224, auch ist dieser gesamte Text eine gekürzte Darstellung des von Kurt – Helmuth Eimuth entwickelten Erklärungsansatzes und in dem oben genannten Buch in ausführlicher Form zu finden.

Für diesen Erklärungsansatz ist es wichtig die unterschiedlichen religiösen Entwicklungsstufen darzustellen, die in der Regel ein jeder Mensch in seiner Entwicklung durchlebt.

1. Entwicklungsphase (magisch-numinose Phase):

Diese beginnt am Anfang der kindlichen Entwicklung. In dieser Stufe werden die Symbole magisch interpretiert.

„Der Löwe ist eben keine Zeichnung, sondern es ist das angsteinflößende Tier, vor dem man sich unter dem Bett versteckt. Realität und Abbild werden nicht unterschieden.“ (Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220)

2. Entwicklungsphase (eindimensionales-wörtliches Verstehen):

Diese Phase beginnt etwa mit der Einschulung der Kinder. Dieses Entwicklungsstadium ist gekennzeichnet

„… durch das `wörtliche´ Verständnis religiöser Symbolik… Ein zweiter Sinn, etwa Wasser als Symbol für Leben, wird nicht gefaßt… Allerdings werden schon im Gegensatz zur ersten Phase andere Welten angenommen. Wissenschaftliche Weltbilder sind schon bekannt. Deshalb wohnt Gott jetzt im Weltall und nicht mehr im Firmament, in der Himmelsdecke.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220)

3. Entwicklungsphase (mehrdimensionales-symbolisches Verstehen):

Leider nennt Kurt-Helmuth Eimuth hier kein Alter. In dieser Phase werden Mehrfachdeutungen von Symbolen zugelassen.

„Symbole werden als solche gesehen und akzeptiert. Aber ihre sinnstiftende Deutung läßt keine Kritik zu.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220)

4. Entwicklungsphase (symbolkritisches Verstehen):

Diese Phase beginnt erst ab 16 Jahren. In dieser Phase können die Symbole von ihrem Inhalt getrennt werden. In dieser Phase gibt der Inhalt den Sinn und nicht mehr die Symbolik.

5. Entwicklungsphase (nachkritisches Verstehen):

Der Mensch kann „… sowohl seine kindlichen magischen-numinosen Anteile zulassen als auch die Entmythologischen in Angriff nehmen.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 221)

Die ersten beiden Entwicklungsphasen werden von allen Menschen im Laufe ihrer Entwicklung durchlaufen, jedoch kommen viele Menschen nicht über der Phase des wörtlichen Verständnisses hinaus. Auch viele Gruppen und Sekten sind in diesen beiden Phasen stehengeblieben. Zum Beispiel lassen die Zeugen Jehovas nur das eindimensional-wörtliche Verständnis der Bibel zu.

Die Sekten bieten ihren jeweiligen Anhängern die Möglichkeit, ihre infantile Religiosität zu leben.

„Dabei erhalten die Sektenmitglieder in einem Prozeß der Selbstentledigung…, der Unterordnung unter einem Führer, Gründer, Leitende Körperschaft oder Prophetin, durch Eintauchen und Verschmelzen mit ihrem Ich-Ideal eine neue Identität. Die Sektenidentität läßt sie teilhaben am omnipotenten Führer, Prophetin oder Meister. Dadurch gehören sie zur Elite, die nichts geringeres, als diese vom Untergang bedrohte Welt retten wird.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 221)

Bei den Kindern kann in diesem Bereich auch keine Entwicklung stattfinden, da sie erzogen werden von Erwachsenen, die ihre eigene Identität an die Gruppe abgegeben haben. Den Kindern aus den Sekten werden nicht nur Bildungschancen vorenthalten, der Aufbau der Beziehung zu ihren Eltern erschwert oder gar verwehrt, sondern auch sie werden in ihrer emotionalen Entwicklung behindert. Es kann sein, daß sie über das emotionale Entwicklungsniveau von Grundschulkindern,

„… bei Beibehaltung aller kognitiven Fähigkeiten“ nicht hinaus wachsen. „Dies gilt mit Sicherheit für den religionspsychologischen Aspekt. Ist aber auch für den entwicklungspsychologischen Aspekt anzunehmen.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 222)

Die Kinder wachsen in einer Sekte in einem geschlossenen Sozialsystem auf, was die Entwicklung der Kinder zur Autonomie stark verhindert. Bei diesen Kindern hängt das Selbstwertgefühl von der Teilhabe am „kollektiven Ich“, der Sektenidentität, ab. Diese Sektenidentität hängt wiederum von dem Über-Ich ab, das in Sekten verkörpert wird durch den jeweiligen Führer.

Eine Ablösung vom Elternhaus ist nur möglich, wenn sich das Kind bzw. der Jugendliche von der Sekte trennt. Dieses produziert bei dem Jugendlichen eine psychische Konstellation, die zu schweren inneren Konflikten führen kann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, daß die Kinder, die in die Sekte hineingeboren wurden, die 2. Generation, nie ein anderes Leben kennenlernen durfte. Diese Kinder sind zum Teil nicht in der Lage, eine eigene Identität zu bilden. Sie definieren sich ausschließlich über das Kollektiv.

„Bei der zweiten Generation handelt es sich also nicht um einen Prozeß der Selbstentledigung, sondern um einen Prozeß der Verhinderung von Selbstfindung, es handelt sich um eine systematische Kollektivierung dieses Vorgangs, so daß aus einem Indentitätsfindungsprozeß ein `Kollektivfindungsprozeß´ wird. Auf dem Wege zu Identität können diese Kinder oftmals nur die Gruppenidentität finden. Alle anderen Wege bleiben ihnen verschlossen.“

(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 223f)

Kurt Helmuth Eimuth kommt in seinen Betrachtungen zu folgendem Ergebnis: Die Entwicklungen von „Sekten-Kindern“ zu autonomen Persönlichkeiten darf nicht stattfinden. Diese Kinder werden in ihrer Entwicklung behindert, manipuliert und kontrolliert. Er nennt dieses System eine „Psychische Kindesmißhandlung“. (Vgl. Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 224)

Alle Zitate und Vergleiche aus:

Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997 S. 220 -224

Die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Sekten

Siegfried Hamm hat zu der psychologischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Sekten einige vorläufige Hypothesen entwickelt. Die Hypothesen befassen sich mit den psychischen Folgen, die sich bei der  Erziehung von Kindern in allen Sekten wiederspiegeln. Zusätzlich können sich dennoch andere psychischen Folgen ergeben, die abhängig von den jeweiligen Methoden der Sekten sind. Ich möchte nun hier in meinen Blog seine Hypothesen vorstellen. Ich denke, dass diese grundlegend auch auf Kinder zutrifft, die in Scientology aufwachsen.

Die Erklärungen von Siegfried Hamm (1) sollen an dieser Stelle näher erläutert werden. Damit die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen besser zu verstehen ist, denke ich ist es wichtig zuerst über die störungsfreie Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu schreiben. Für eine gesunde Entwicklung sind zwei Voraussetzungen wichtig: Zum einen die innerfamiliären Voraussetzungen und zum anderen ausserfamiliäre Kontakte.

Bei den innerfamiliären Voraussetzungen ist es wichtig, dass die Kinder eine „wertschätzende, von Liebe und Zuneigung getragene Beziehung zu ihren Eltern haben“. Dies ist die Grundvoraussetzung für eine störungsfreie Entwicklung. Die Kinder brauchen eine dem Entwicklungsstand angepasste Förderung und Unterstützung, in dem Bereich ihrer auf Versuch und Irrtum aufgebauten Experimentierlust. Des weiteren benötigen sie, dem Entwicklungsstand angemessen, klare Grenzen und Regeln, die ihnen einen sicheren Rahmen zur Einordnung und Integration neuer Erfahrungen bieten sollten. Zwischen den Eltern und den Kindern soll ein Zusammenspiel stattfinden in einem ständigen Prozess von Veränderungen.

Diese Erziehung soll die geistig-kognitiven Voraussetzungen und Möglichkeiten und die emotionalen Voraussetzungen und Möglichkeiten, die den Alters- und Entwicklungsstand des Kindes entsprechen sollen, berücksichtigen.

Die kindzentrierte Entwicklung versucht aber nicht in autoritärer Weise Kinder frühzeitig an Normen und Konzepte der Erwachsenen anzupassen und den individuellen Erfahrungsraum des Kindes unangemessen einzuschränken bzw. zu unterdrücken. Sie versucht auch nicht, in antiautoritärer Weise aus Kindern gleichberechtigte kleine Erwachsene zu machen, die jede Entscheidung unabhängig treffen können. „Nach übereinstimmenden Erkenntnisstand aus Psychologie, Pädagogik, Medizin und Sozialwissenschaftlern ist die `normale´, unproblematische kindliche Entwicklung gebunden an den emotionellen Zuspruch und die Ermutigung, eigene Erfahrungen sammeln zu dürfen und einen klaren Rahmen zu haben, innerhalb dessen Erfahrungen genutzt (integriert) werden können. Dabei sind die Auseinandersetzungen mit Misserfolgen, die Bewältigung von Frustration und durch das Erleben von zwischenmenschlichen Konflikten notwendiger und unverzichtbarer Bestandteil einer Entwicklung, die Selbständigkeit und Kontaktfähigkeit aufbaut.“(2)

Säuglinge und Babys sind noch in ihren Beziehungen von den Eltern abhängig. Mit zunehmenden Alter gewinnt die Umwelt für ein Kind an Bedeutung. Dabei gibt es dort zwei einschneidende Erlebnisse. Zum einem der Besuch des Kindergartens und zum anderen der Besuch einer Schule. „Gleichaltrige bilden zunächst noch häufig instabil, dann zunehmend kontinuierlicher einen Gruppenkontext, der der familiären Wirklichkeit korrigierend, vergleichend und ergänzend gegenübersteht, diese so ständig herausfordert und den gesamten Wachstumsprozeß lebendig erhält.“(3) Dennoch bleiben die Eltern viele Jahre für die Kinder eine dominante Bezugsperson. Dies bedeutet, dass sich die Persönlichkeit des Kindes weiter an den Eltern orientiert. Während der kindlichen Entwicklung wird diese Dominanz jedoch fortlaufend abgebaut. Eine Ablösung von dem Elternhaus kann aber nur gelingen, wenn eine Umorientierung seitens des Kindes stattfindet. Der Bezug des Kindes zu Gleichaltrigen ist ein wichtiger Bestandteil für die eigene Persönlichkeits-entwicklung. „Im Umkehrschluß ist es aufgrund vielfältiger klinischer Beobachtungen und entwicklungspsychologischen Untersuchungen gerechtfertigt, Schwierigkeiten im Aufbau von tragfähigen Peer-Gruppen-Beziehungen als Ausdruck einer problematischen Familienentwicklung insgesamt und in Folge als Ausdruck einer zumindest in Teilen blockierten Persönlichkeitsentwicklung zu verstehen.“(4)

Probleme bei der kindlichen Entwicklung ergeben sich zwangsläufig aus enggebundenen Familien. Für diese Familien ist es für das psychische Gleichgewicht der Kinder wichtig, dass die erwachsenen Kinder eng an der Familie gebunden bleiben. Bei diesen Kindern kann nie eine normale Ablösung vom Elternhaus stattfinden. In solchen Familien wird die Umwelt als etwas Bedrohliches angesehen, dieses kann als eine ängstliche Grundeinstellung gewertet werden. Es kann aber auch sein, dass die Umwelt als feindlich angesehen wird, was als aggressive Grundeinstellung bezeichnet werden kann.

Dieses Grundverhalten der Familie führt bei den Kindern entsprechend zu einer ängstlichen oder aggressiven Kontaktaufnahme mit der Umwelt. „Allerdings ist der gelungene Aufbau von Peer-Gruppen-Beziehungen allein betrachtet noch kein ausreichender Indikator für eine störungsfreie Entwicklung. Kinder aus vernachlässigenden oder zurückweisenden Familien sind häufig in der Lage, über die Peer-Gruppe einen emotionalen Ausgleich für fehlende `Nestwärme´ im Elternhaus zu finden, jedoch signalisieren solche Peer-Gruppen durch ihre Auffälligkeit (Drogen, Delinquenz, Gewalt) problematische Problemlösungsmuster der Herkunftsfamilien ihrer Mitglieder.“ (5)

Kommen wir nun zu den Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern bei Sektenmitgliedschaft der Eltern. Dieses unterscheidet Siegfried Hamm wieder anhand der innerfamiliären und der außerfamiliären Auswirkungen.

Für die innerfamiliären Wirkungen der Sektenzugehörigkeit der Eltern ist es wichtig, ob nur ein Elternteil einer Sekte angehört oder beide.

Ist nur ein Elternteil Mitglied, versucht dieses, den anderen mit in die Sekte zu ziehen. Das Sektenmitglied möchte dadurch verhindern, dass es zu einer innerfamiliären Spaltung kommt, und die Missionierungen entspricht den Wünschen der Sekte. Bekämpft der Ehepartner jedoch die Sekten, dann entsteht bei dem Sektenmitglied ein Loyalitätskonflikt, was bedeutet, dass sich Sektenmitgliedschaft und Familie zunehmend ausschließen. „Die Wahrscheinlichkeit des Bruchs und der Trennung steigt, wobei die Zugehörigkeit zur `Sekte´ emotional stärker wirkt als die familiäre Bindung. Der Kampf um den Verbleib der Kinder wird vergleichbar hart wie bei vielen Trennungen ausgefochten und beinhaltet im Ergebnis die Konsequenz, ob die Kinder der `Sekte´ miteingegliedert werden oder nicht.“(6) Falls der Ehepartner, der der Sekte nicht angehört, der Sekte gegenüber sich neutral bzw. wohlwollend verhält, dann hat dieser aus der Sicht der Kinder die besten Chancen, korrigierend den Sekteneinflüssen gegenüberzustehen. Dadurch können in reduzierter Form kindliche Erfahrungsmöglichkeiten und Außenkontakte zur Peer-Gruppe für die Kinder bestehen bleiben.

Sind beide Elternteile Mitglied in einer Sekte, dann gibt die Sekte der Familie Halt, Sinn und Lebensziele. Auch wird der Selbstwert massiv aufgewertet, da sich die Familie zu dem Kreis der Auserwählten zugehörig fühlt. Jedoch bestimmt die Sekte mit ihrer Denk- und Weltanschauung die Verhaltensmuster innerhalb der Familie und stellt die Regeln, die eingehalten werden müssen, auf. Dadurch wird die Erziehung der Kinder in mehrfacher Weise strukturiert.

  • „Sie begrenzt die Erfahrungsbereiche der Kinder häufig in nicht kindgerechter Weise. Experimentier- und Erkundungsverhalten werden eingeschränkt und zugunsten
  • rigider Anpassungsforderungen, die für Erwachsene entwickelt wurden unterdrückt;
  • Grenzen und Methoden der Erziehung werden von der `Sekte´ und nicht den Eltern autorisiert.“ (7)

Die Eltern werden so, auch in den Augen der Kindern, als ausführende Organe einer von der Sektenführung bestimmten Leitlinie, und nicht mehr als Eltern im psychologischen Sinn, gesehen.

Grundsätzlich widerspricht es jeder Sekte, eine kindgerechte Erziehung zu ermöglichen, obwohl die Methoden der Sekten jeweils unterschiedlich sind, lassen sich doch Gemeinsamkeiten finden.

Die Mitgliedschaft in einer Sekte beinhaltet den Verzicht auf persönliche Bedürfnisse und die Unterordnung unter autoritäre Führungsstrukturen. Dieses wird in jeder Sekte durch die Erziehung eingeübt und umgesetzt. „So wird das Leben der `Sekte´ für die Kinder wichtige Reifungsschritte zu einem selbständigen Ich, zum Vertrauen in eigene Problemlösungsfähigkeiten und zum unbeschwerten Erkundungsverhalten behindern.“ (8)

Der Verlust an der Persönlichkeitsentwicklung wird kompensiert durch das Überlegenheitsgefühl. Die eigene Identität des Kindes wird dadurch zunehmend durch ein Selbstgefühl ersetzt, das mit der Gruppenidentität der Sekte übereinstimmt. Der Grad der Möglichkeit der Sekten-Kinder sich von dieser Identitätsverschiebung loszulösen und sich somit von der Sekte zu trennen, hängt von dem Zeitpunkt des Eintritts der Eltern zu einer Sekte ab. Desweiteren hängt es davon ab, welche Reifungsschritte das Kind innerhalb der Sekte erreicht hat und von dem Umfang der erzieherischen Vorgaben einer Sekte.

Die Ablösung bedeutet für ein Kind einen doppelten Loyalitätsverlust, der schwere Schuldgefühle beinhaltet. Die „… Abkehr von der `Sekte´ ist nicht nur verbunden mit dem `Vorrat´ an der bisher gültigen Weltanschauungs- und Lebensgemeinschaft, sondern auch an den Eltern, denen gegenüber man sich in besonders unversöhnlicher und endgültiger Weise abgegrenzt hat.“ (9)

Bei den Kindern, die aus Sektenfamilien stammen, ist der Kontakt nach außen und die Erfahrung von stabilen Peer-Gruppen-Beziehungen stark gefährdet. Ein Merkmal von Sekten ist, die Mitglieder zur Umwelt hin abzuschirmen, dieses gilt auch für Kinder. Die Sekten achten darauf, dass die Kontakte der Kinder und der Erwachsenen nicht zu der Infragestellung der Sekte beitragen können bzw. sie fähig werden, die Inhalte der Sekte kritisch zu hinterfragen. Der beste Schutz für die Sekte ist in einem solchen Fall das Verbot des Umgangs mit der kritisierenden Umwelt. „Nicht alle Sekten gehen gleich so weit, dennoch sind Störungen allenthalben zu erkennen, etwa wenn die Sekte die Teilnahme an allgemeinen gültigen Festen (Geburtstag, Weihnachten, Karneval) verweigert oder bestimmte Spiel- und Freizeitaktivitäten ausschließt.“ (10)

Bei Kindern kann ein Konflikt zwischen den Regeln der Sekte und den Lebensgewohnheiten der Peer-Gruppe entstehen. Die Sekten-Kinder erleben dadurch einen verstärkten Loyalitätsdruck durch die Sekte. Sie müssen beweisen, dass sie nicht auf der Seite der `Ungläubigen´ stehen und den Wunsch, mit der Peer-Gruppe weiter Kontakt haben zu möchten, verleugnen. Dieses drängt die Kinder noch mehr in die Sekte und erfordert „… intensive psychische Bemühungen, den Verlust von Kontakten zu kompensieren. Zu diesen indirekt erzwungenen Bewältigungsmustern zählen die Abwertung bisheriger Beziehungen und die Aufwertung des Selbst über die verstärkte Identifikation mit der `Sekte´ als kompensatorischer Akt.“ (11)

Zwangsläufig besteht für diese Kinder die Peer-Gruppe aus gleichaltrigen Sektenmitgliedern. Jedoch können diese Kontakte keine Ergänzung und Korrektur der Erwachsenenwelt bzw. Familie darstellen. „Für Kinder aus `Sektenfamilien´ ist der Kontakt zu Gleichaltrigen in Schule und Nachbarschaft durch ein hohes Maß an Ambivalentes und innerer Spannung gekennzeichnet. Einerseits verspüren sie den Wunsch, es den anderen gleichzutun und sich an den sozialen Aktivitäten zu beteiligen, andererseits verspüren sie die Loyalität zu ihren Eltern und zu der `Sekte´ und sind gehalten, die i.d.R. eng gesteckten Grenzen einzuhalten. Von solchen Kindern wird ein ständiger Spagat verlangt, der als (latenter) Dauerstress zu werten und durch Langfristigkeit zur Entwicklungshemmung wird.“(12)

Ich möchte dieses alles versuchen bildlich auszudrücken. Im Prinzip kann man zusehen, wie diese Kinder, auch die Scientology – Kinder, immer tiefer  in der  sekteneigenen Gedankenwelt und letztendlich in der tiefen „Höhle“ der Sekte verschwinden.

Literaturnachweis

  1. Vgl. Hamm, Siegfried; Kinder in sog. religiösen Bewegungen entwicklungspsychologische Aspekte in: Informations- und Dokumentationszentrum Sekten/Psychokulte IDZ (Hrsg.) AJS-Dokumentation 29: Auserwählt oder ausgeliefert? Kinder in Sekten und Psychogruppen Tagungsdokumentation; Essen, 1995, o.J.; S. 67-75
  2. s.o. S.68
  3. s.o. S.68
  4. s.o. S.68f
  5. s.o. S.69
  6. s.o. S.72
  7. s.o. S.72
  8. s.o. S.73
  9. s.o. S.73
  10. s.o. S.74
  11. s.o. S.74
  12. s.o. S.75

Fotos von: http://anon.tjps.eu/raid-27.12.2010/

Höhlenfoto von kindseininscientology

Der perfekte Soldat?

Was wird aus einem scientologischen Kind, wenn aus ihm ein erwachsener Scientologe geworden ist? Ob aus diesem Kind ein neuer David Miscavige wird oder der „perfekte Soldat“, der ohne emotionelle Regungen agieren kann, im Kampf für Scientology?

Scientology stellt die Familie in den Hintergrund, die Kinder werden von außenstehenden Personen ohne Liebe und Zuneigung erzogen. Die Kinder lernen kritiklos Befehle zu befolgen. Ihre eigene Meinung zählt in Scientology nicht. Sie lernen Macht anzustreben und andere Menschen zu beherrschen. Sie lernen in Scientology nicht liebevoll mit anderen Menschen umzugehen. Auch die Familie ist für „Scientology-Kinder“ nicht wichtig, da sie nie ein „normales“ Familienleben kennenlernen durften. Scientology möchte aus den Kindern neue „Herrschaftsmenschen“ heranzüchten, die die Welt beherrschen sollen, eine Welt in der es z.B. keine kranken, behinderten, schwachen Menschen geben darf.

Kurt-Helmuth Eimuth sieht dieses ähnlich.

„Die Kinder werden von klein auf in ein gedankliches System gequetscht, das sie einer zum sozialen miteinander verpflichteten Gesellschaft entfremdet. Scientology lehrt wie kaum eine andere Organisation den nackten Sozialdarwinismus. Dies verträgt sich mit dem Anspruch, mündige, soziale, verantwortungsbewusste Menschen zu erziehen, so wie Licht und Schatten. Entweder werden Kinder zu kritischen, selbständig denkenden Erwachsenen, oder sie werden zu einer Art scientologischer `Übermensch´, die andere Menschen `handhaben´, kontrollieren wollen.“(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S. 109f)

Eine wichtige Frage, bleibt aber momentan ungeklärt, wie ein Mensch lebt, handelt fühlt und denkt, der in Scientology aufgewachsen ist bzw. kann dieser Mensch überhaupt von Scientology unabhängig agieren. (Vgl.: Arbeitskreis „Contra Scientology“, Referat: Probleme der scientologischen Kindererziehung, o.J.; Bundeisnnenministerium Bayern: “Was ist Scientology?“) Diese Fragen können momentan nur Aussteiger beantworten, die aber selber nicht in das „System Scientology“ hineingepaßt haben, sie können auch nicht ganz die Frage klären, wie ein Mensch, der in das System hineinpaßt, handelt oder sich dabei fühlt. Die Frage ist, ob so ein Mensch überhaupt „herangezüchtet bzw. -erzogen“ werden kann.

Keine Zeit für die Familie

Die Eltern haben ebenfalls einen sehr vollen Tagesablauf, in dem Buch „Die Sekten-Kinder“ von Kurt-Helmuth Eimuth wird von einem Ex-Scientologen beschrieben, wie wenig Zeit er für seine Familie und somit auch für seine Kinder hatte.

„Er (Daniel, ein Mann der mit sieben Jahren selbst durch seine Mutter zu Scientology gekommen ist; Anmerkung der Verfasserin) lebte später als Staff-Mitarbeiter in Kopenhagen. Um seine einjährige Tochter konnte er sich aufgrund der Arbeitsanforderungen nicht kümmern… Daniel Fumagalli erzählt: `Es gibt Kinderkrippen, da bringt man sie morgens hin und holt sie nachts wieder ab. Da hatten Eltern nach dem Nachtessen eine Stunde sogenannte Parents oder Familiy time.´ Später kam die Anweisung, die diesen wenigen, aber doch regelmäßigen Kontakt der Eltern zu ihren Kindern weiter einschränkte. Fumagalli: `Es gab da mal eine Anweisung, die besagte, dass für die family time eine Stunde am Tag nicht genug sei. Deshalb solle man besser in dieser Stunde viel produzieren und jeden zweiten Samstag einen Tag frei nehmen, welchen man dann in Ganzheit mit dem Kind verbringen kann. Also in anderen Worten: man sieht das Kind jede zweite Woche für einen Tag und halt nachts, wenn das Kind eh schläft.´“(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S. 86)

Somit obliegt die Erziehung des Kindes der Organisation und nicht mehr den Eltern, so dass es sich daraus zwangsläufig ergibt, dass Scientology den ganzen Tag lang die Kinder manipulieren kann. Gehen die Kinder nicht mehr zu einer normalen Regelschule, sondern zu einer scientologisch geführten Schule im nahen Ausland, lebt das Kind nur noch in der Scientology-Welt und hat keine Chance mehr, etwas anderes kennenzulernen. Scientology-Kinder müssen für die Organisation arbeiten, damit die Welt gerettet werden kann. Somit stehen diese Kinder unter einem starken Leistungsdruck. In einer scientologisch geführten Schule bzw. auch schon in der Nachhilfeschule unterliegt ein Kind diesem Druck, indem es ständig seine Statistik erfüllen muss.

Eine junge Frau, die sich um die Betreuung der Kinder und Jugendlichen in einem scientologischen Zentrum kümmerte, wurde die Anwendung der Statistik folgendermaßen erklärt.

„Die Ethik-Statistik bewertet das Verhalten des Kindes über den ganzen Tag verteilt… Sie wird geführt, um dem Kind zu helfen, das eine bestimmte Schwierigkeit hat. Wenn es seine Sache sehr gut gemacht hat, ist es im Zustand `Power´ und bekommt fünf Punkte, die Höchstzahl. Um auf Power eingestuft zu werden, darf es sich nicht out-ethisch verhalten haben und muß aktiv daran teilgenommen haben, das Überleben von einer oder mehreren Dynamiken zu verbessern. War es nicht ganz so aktiv, hat sich aber trotzdem gut verhalten, ist sein Zustand `Überfluß´, der vier Punkte bringt. Drei Punkte sind `Normal´ und bedeuten nur, daß das Kind nichts Out-Ethisches gemacht hat. Ein bis zwei out-ethische Handlungen bedeuten `Notzustand´, zwei Punkte. Hat das Kind die Gruppe einmal richtig enturbuliert, ist `Gefahr´ angesagt, ein Punkt. Und wenn’s schlimm war, gibt es gar keinen Punkt, weil das Kind den ganzen Tag unvernünftig aufgetreten ist und permanent die Gruppe enturbuliert hat. Der Zustand heißt dann `Nichtexistent´.“(Anonymus, Entkommen-Eine Ex Scientologin erzählt, Reinbeck bei Hamburg, 1993, S.108f.;zitiert nach: Kurt-Helmuth Eimuth, 1997; s.o. S. 90f.

Eine kurze Eklärung am Rande, enturbulieren ist eines von vielen scientologischen Kunstwörtern und bedeutet

„Enturbulieren: Etwas `turbulent´ (wirbelnd ´, stürmisch, aufrührerisch) machen, verwirren, aufregen oder durcheinanderbringen“ Hubbard, Handbuch für den Ehrenamtlichen Geistlichen, Kopenhagen 1980, S. 754; zitiert nach Eimuth, Kurt-Helmuth, 1997; s.o., S. 91

Kindern wird auch der Umgang mit ihren Eltern verboten bzw. den Eltern wird der Umgang mit ihren Kindern verboten, da die Kinder der Grund für die Probleme des Erwachsenen sind. Diese Kinder sind eine „unterdrückerische Person“ für ihre Eltern und behindern das Fortkommen ihrer Eltern in Scientology.(Vgl.: Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S. 83) U.S. Sonntag, der gesagt wurde, dass ihr Sohn eine unterdrückerische Person sei, wurde das von Seiten der Org an einem Beispiel gezeigt.

Unten „…in dem italienischen Restaurant einen Stockwerk tiefer als die Org saß ein kleiner Junge an einem Tisch allein und aß, seine Mutter saß getrennt von ihm an einem anderen Tisch, man sagte mir, der Junge wäre der `Unterdrücker´ seiner Mutter, und die Mutter muß ihn handhaben und sich von ihm trennen, um weiter zu kommen.“(Sonntag-Kuntze, U.S.; a.a.O. Anhang; zitiert nach: Eimuth, Kurt-Helmuth, 1997; s.o. S. 83)

Kurt-Helmuth Eimuth sieht den Begriff „handhaben“, als ein Kontrollieren und Bestrafen des Kindes.(Vgl.: Eimuth, Kurt-Helmuth, 1997; s.o. S. 84) Die Interministerielle Arbeitsgruppe für Fragen sog. Jugendsekten und Psychogruppen berichtet, dass Scientology Kritiker ausführten, daß Kinder bei `Kontaktsperren´ sogar von ihren Müttern getrennt werden, dabei muß sich die Familie den Anordnungen der Scientology unterordnen.(Vgl.: Bericht der Interministeriellen Arbeitsgruppe für Fragen sog. Jugendsekten und Psychogruppen vom 30.6.9, Drucksache 11/4643, S. 33; verglichen nach : Eimuth, Kurt-Helmuth, 1997; s.o. S. 84)

Kurt Helmuth Eimuth schlussfolgert weiter, dass die hohe Beanspruchung der Eltern und das Menschenbild Scientologys, das keine Kindheit beinhaltet, zu einer Entfremdung zwischen Eltern und Kindern führt.

Desweiteren wird in dem Buch „Im Labyrinth von Scientology“ von Norbert Potthoff beschrieben, wie ein behinderter Junge von seinen Eltern emotionell vernachlässigt wurde, da er aufgrund seiner Behinderung in einem früheren Leben unethisch gewesen sein muß bzw. er zugelassen hat, daß ihn sein Zwillingsbruder während der Schwangerschaft „behindert gemacht hat“.

„Christian ist Jens´ Sohn aus erster Ehe. Viel weiß ich (Norbert Potthoff; Anmerkung der Verfasserin) nicht über ihn. Ab und zu sehe ich ihn mal auf dem Flur der obersten Etage, aber meist ist er in seinem Zimmer versteckt. Er ist gehbehindert, macht aber einen netten Eindruck. `Also es gibt da einiges was du wissen solltest´ erklärt Beate (die „Stiefmutter“; Anmerkungen der Verfasserin)`Christian und Hilmar sind Zwillinge und das, was Ron als Black beeings, als schwarze Wesen bezeichnet. Hilmar ist absolut herrisch und autoritär, er hat seinen Zwillingsbruder bereits während der Schwangerschaft so getreten, daß dieser mit einem Hüftschaden zur Welt kam. Aber Christian ist ebenso dafür verantwortlich, denn er hat damit übereingestimmt, hat zugelassen, diesen Schaden zu erhalten. Hilmar haben wir nach Portugal geschickt. Er ist nicht zu handhaben, begeht ständig neue Verbrechen. Christian steckt überwiegend fest in seinem reaktiven Verstand, und nur durch Dauerlauf kann er ab und zu ausrasten. Damit uns seine reaktiven Strömung nicht beeinträchtigen kann, lebt er allein in seinem Zimmer. Nur sein Vater darf mit ihm Kontakt haben.´“(Potthoff, Norbert, Im Labyrinth der Scientology, Bergisch Gladbach, 1997; S. 136)

Dieses zeigt, wie Scientology die Vernachlässigung der Kinder, durch die Ideologie und Zielsetzung mit Hilfe der „abhängigen“ Eltern propagiert. Durch das Anstreben der Weltherrschaft, das „Clearen“ der Welt bleiben schwache Glieder, das sind ohne weiteres Kinder und Jugendliche, Behinderte, besonders behinderte und kranke Kinder, alleine und werden ohne Gefühlsregungen seitens der Erwachsenen und Starken ihr Leben meistern müssen.

Kinder müssen einen Beitrag leisten = Kinderarbeit

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Scientology Kind bei der Arbeit

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der scientologischen Kindererziehung ist, dass Kinder einen „Beitrag“ leisten müssen. Diesen Beitrag leisten zu wollen, nach scientologischer Lehre, fängt schon im Säuglingsalter an.

„Ein Baby leistet seinen Beitrag, indem es versucht, Sie zum Lächeln zu bringen. Das Baby wird sich zur Schau stellen. Wenn der Kleine ein bißchen älter ist, wird er für Sie tanzen, er bringt Ihnen Zweige und versucht, Ihre Arbeitsbewegungen nachzuahmen, um Ihnen zu helfen. Wenn Sie dieses Lächeln, diese Tänze, diese Zweige oder diese Arbeitsbewegungen nicht in dem Sinn annehmen, wie sie gegeben werden, haben Sie begonnen, den Beitrag des Kindes zu verweigern. Jetzt wird es anfangen, ängstlich zu werden. Es wird gedankenlose und seltsame Sachen mit ihrem Eigentum anstellen, in der Bemühung, es `besser´ für Sie zu machen. Sie schelten das Kind. Damit ist es aus mit ihm…. Sie können nicht mehr tun, als das Lächeln, die Tänze und die Zweige des sehr kleinen Kindes anzunehmen. Aber sobald das Kind es verstehen kann, sollte man ihm ausführlich erzählen, wie die Familie funktioniert.“(New Era Publications, Kinder: ein Auszug aus dem Scientology-Handbuch, Kopenhagen, 1994, S.8f)

Die Probleme, die ein Kind macht, liegen in dieser Betrachtungsweise ausnahmslos darin, dass das Kind in der Familie und somit in der Gesellschaft keinen Beitrag leisten durfte.

Scientology geht sogar soweit, dass sie die grundlegende Schwierigkeit der Jugendkriminalität in dem Verbot der Kinderarbeit begründet sieht.(Vgl. New Era Publications, Kinder: ein Auszug aus dem Scientology-Handbuch, Kopenhagen, 1994, S. 14). Nach Scientology muss ein Kind in der Lage sein (Scientology formuliert es als die Pflicht des Kindes gegenüber den Eltern), für die Eltern zu sorgen.(Vgl.: New Era Publications, Kinder: ein Auszug aus dem Scientology-Handbuch, Kopenhagen, 1994, S.14f)

„Indem man die Kinderarbeit verbietet und insbesondere indem man Jugendliche daran hindert, ihren eigenen Weg zu gehen und eigenes Geld zu verdienen, schafft man Schwierigkeiten in der Familie, so dass es fast unmöglich wird, eine Familie zu unterhalten. Und man erschafft beim Jugendlichen die Ansicht, dass ihn die Welt nicht will und dass er sein Spiel verloren hat, bevor es überhaupt begonnen hat… Das Kind jedoch, das mit drei oder vier Jahren gerne in dieser modernen Gesellschaft arbeiten würde, wird entmutigt und tatsächlich davon abgehalten. Es wird untätig gehalten bis zum siebten, achten oder neunten Lebensjahr und erhält dann plötzlich gewisse Pflichten… Als Teenager wird es später auf aktive Weise daran gehindert, irgendeine Art Job zu bekommen, der es ihm ermöglichen würde, Kleidung zu kaufen und die Zeche für seine Freunde zu bezahlen. Und so empfindet er allmählich, dass er nicht zur Gesellschaft gehört. Da er nicht Teil von der Gesellschaft ist, ist er nun gegen sie und wünscht sich nichts als destruktive Tätigkeiten.“(New Era Publications, Kinder: ein Auszug aus dem Scientology-Handbuch, Kopenhagen, 1994, S.14f)

Scientology geht sogar so weit, dass ein Kind, was einen Beitrag leistet, aber die Rechte seiner Eltern verletzt, körperlich gemaßregelt werden kann. Dies soll keinen Schaden bei dem Kind hinterlassen, da das Kind trotzdem seinen Beitrag leisten kann.

„Sie können bei einem Kind tatsächlich körperliche Maßnahmen ergreifen, um Ihre eigenen Rechte zu verteidigen, so lange es das besitzt, was es besitzt, und für Sie einen Beitrag leisten und für Sie arbeiten kann.“(New Era Publications, Kinder: ein Auszug aus dem Scientology-Handbuch, Kopenhagen, 1994, S.10)

Das Fazit, was sich daraus ergibt ist, dass Kinder nur glücklich sein können, wenn sie einen Beitrag leisten, also arbeiten können bzw. dürfen. Wie diese Arbeit in der Praxis Scientologys aussieht wird im folgenden näher beschrieben. U.S. Sonntag berichtet über den Alltag von Kindern in Scientology-Zentren in Kopenhagen, München und England. Dort müssen die Kinder ein ähnliches Programm wie die Erwachsenen absolvieren.

„Die Kinder dort hatten wie ihre Eltern einen festumrissenen Tagesablauf mit einem Punkteprogramm und einer Statistik, die jede Woche, donnerstags, vorgetragen wurde. Neben der Schule vollzogen die Kinder Dienstleistungen in der Organisation. Sie bekleideten Posten, vergleichbar der Registratur, stellten Akten für die Sitzungen bereit und leiteten sie weiter mit den dazugehörigen verwaltenden Schreibarbeiten. Sie waren Meldungsträger von einem Posten zum nächsten, brachten die Leute in die Sitzungen und `routeten´ sie weiter. Sie belegten speziell für diese Arbeiten dieselben Kurse wie die Erwachsenen, die ebenfalls darin u.U. ausgebildet wurden. Ebenfalls belegten sie auch schon Kurse, um Auditor zu werden, manch Zwölfjähriger konnte schon einen Erwachsenen auditieren und dabei u.U. mit allen möglichen Intimitäten, die dieser erzählte, konfrontiert werden. Freizeit gab es nicht.“(Sonntag -Kuntze, U.S.; Ausarbeitung über die Gefahren, die bei dem Kontakt zwischen Scientologen und Kindern entstehen können, Schriftsatz o.J., S:11 zitiert nach: Eimuth, Kurt-Helmuth, die Sekten Kinder, 1997, S. 83)

Dies bedeutet, dass die Kinder neben der Schule, falls sie noch auf eine Regelschule gehen, und der Arbeit für Scientology keine Zeit mehr für kindgerechte Unternehmungen haben.

Folgen des frühen Auditings

L. Ron Hubbard gibt Anweisung, Auditing mit Kindern ab acht Jahren durchzuführen. Dies kann zu einer starken Überforderung der Kinder führen, da z.B. Erinnerungen an die eigene Geburt bzw. an vorherige Leben zusätzlich zu dem Alltag eines scientologischen Kindes gehören. Wenn ich mir überlege, welche Überforderung bei einem erwachsenen Menschen durch die eigenen Gefühle und Gedanken entstehen, und diese für Erwachsene kaum zu verarbeiten sind, ist dieses für ein Kind um so schwerer zu verstehen, bzw. zu bewältigen.

In dem Buch „Die Sekten-Kinder“ von Kurt- Helmuth Eimuth beschreibt eine Ex-Scientologin die Erfahrungen mit ihrem eigenen Sohn.

„Zurück bleibt ein verstörtes, anpassungsunfähiges Kind, das Furcht hat, sich selbst kennenzulernen. Sie laufen u.U. mit einem übertriebenem Schuldkomplex herum, in der Vergangenheit wurden ja Verbrechen begangen, diese immer wieder anzuschauen (konfrontieren), um sie zum Verlöschen zu bringen und eine Erkenntnis daraus zu ziehen, dürfte dem Vorspielen eines endlosen Horror-Filmes gleichkommen.“ (Sonntag-Kuntze, U.S;. Ausarbeitung über die gefahren, die bei dem Kontakt zwischen Scientologen und Kindern entstehen können, Schriftsatz ohne Jahr, S. 16; zitiert nach: Eimuth, Kurt-Helmuth, 1997, s.o. ; S. 77)

Nach Kurt-Helmuth Eimuth verhindern die Erinnerung, das Auditing und das Konfrontieren die Identitätsbildung bei den Kindern, die mit der scientologischen Ideologie aufwachsen müssen.

„Es ist jedoch augenscheinlich, dass eine Entwicklung zur eigenen Urteilsfähigkeit, zur alleinigen Entscheidung unmöglich gemacht wird. Ja es ist sogar zu vermuten, dass ähnlich, wie bei erwachsenen Mitgliedern, es massive Identitätsprobleme bis hin zur Identitätsvermischung mit pathogenen Zügen gibt.“(Vgl.: Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S.77f)

Weiter sieht er bestimmte Indikatoren für die Identitätsprobleme bei den Kindern. Diese sind u.a.: Der Kommunikationskurs, der absolute genormte Verhaltensmuster von einem Kind abverlangt, das Auditing, die scientologische Kunstsprache, die Arbeit von Kindern für die Org bzw. Scientology und die fehlende Zeit der Eltern sich um die Bedürfnisse, besonders die emotionellen, durch ihre eigenen Aktivitäten und den vorgeschriebenen Umgang mit dem Kind haben, zu kümmern. Außerdem entwickeln sich die Kinder zu Außenseitern in der „normalen Welt“.(4Vgl.: Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S. 78 – 83) Durch dieses „außenstehen“ der Kinder werden sie immer enger in die scientologische Gedankenwelt hineinkatapultiert.

Auch der Verfassungsschutz Baden Württemberg beschreibt, dass es beim Auditing mit Kindern zu belastenden Situationen kommen kann.

„Hier ein „Auditing“ an einem kleinen Mädchen:

„(Auditor): ‚Wenn ein Flugzeug um 2 Uhr nachmittags in 3.000 Meter Höhe fliegt und um 3 Uhr nachmittags in 1.500 Meter Höhe, wie tief würde ein Mensch um 3 Uhr fallen, bis er den Erdboden erreichen würde?‘

(Kind): ‚Ach du liebe Güte! Das weiß es nicht… Es ist wirklich ein Problem. (…)‘

(Auditor): ‚Ist es so, dass es nur das Problem ist, was dich bedrückt?‘

(Kind): ‚Ich glaube ja.‘

(Auditor): ‚Spricht jemand hier je über Probleme?‘

(Kind): ‚Nun, vielleicht könnte Mama darüber sprechen, eine Menge Probleme zu haben.‘

(Auditor): ‚Hat irgendjemand dich je ein Problem genannt?‘

(Kind): ‚Nun, vielleicht könnte Mama darüber sprechen, eine Menge Probleme zu haben.‘

(Auditor): ‚Wer könnte dich ein Problem nennen?‘

(Kind): ‚Nun, vielleicht Mama.'“ [ „Kinder-Dianetik“, S. 76 ]

„Erfolg“ dieser Sitzung sei angeblich gewesen, Rechenschwierigkeiten bei dem Kind beseitigt zu haben. Hier stellt sich auch die Frage, ob nicht durch manipulative Fragen durch den Auditor eine bestimmte Antwort herbeigeführt wurde. Aus derselben Quelle stammt folgendes „Auditing“-Protokoll über einen 10-jährigen Jungen namens Bobby. Das Kind empfand das „Auditing“ offenkundig als quälend:

„(Auditor): ‚Gibt es einen Unterschied zwischen wehtun und sich gut anfühlen?‘

(Bobby): ‚Es gibt einen.‘

(Auditor): ‚Magst du es gern, wenn dir wehgetan wird?‘

(Bobby): ‚Mag nicht, dass mir weh getan wird (…).‘ Es drückt hier (zeigt auf eine Stelle am Bauch.)

(Auditor): ‚Wo drückt es noch?‘

(Bobby): ‚Überall, es drückt überall. Es tut weh. Ich schlafe.‘

(Auditor): ‚Was würde passieren, wenn du aufwachen würdest?‘

(Bobby): ‚Etwas wird passieren.‘

(Auditor): ‚Ist ,etwas‘ gut oder schlecht?‘

(Bobby): ‚Es ist gut. Etwas würde passieren.‘ (Fängt an zu weinen.) ‚Etwas Gutes wird passieren.‘ (Weint wieder.) (…)

(Auditor): ‚Welches Wort ist dasselbe wie tot?‘

(Bobby): ‚Etwas ist dasselbe wie tot. Etwas ist gefährlich.‘

(Auditor): ‚Was ist dasselbe wie gefährlich?‘

(Bobby): ‚Bobby ging in die Hölle.‘

(Auditor): ‚Was ist dasselbe wie ,Bobby ging in die Hölle‘?‘ (…)

(Bobby): ‚Geh zur Hölle geh zur Hölle.‘

(Auditor): ‚Welches Wort ist dasselbe wie tot? (…) Sag mehr. (…) Was ist ,geh zur Hölle‘?‘

(Bobby): ‚Aaa-ha-ha!‘

(Auditor): ‚Ist das Weinen?‘

(Bobby): (Keine Antwort) (…)“ [ „Kinder-Dianetik“, S.158ff. ]

Ergebnis dieses längeren Auditing sei angeblich die „Erkenntnis“ gewesen, dass die Mutter zu ihrem Jungen etwas wie „geh zur Hölle“ gesagt haben soll. Es stellt sich auch die Frage, ob sich der Junge in einem hypnoiden Zustand befand.

Dass derartige Methoden die behauptete „frische Herangehensweise“ für „das Aufziehen von Kindern“ sein sollen und gar „die Liebe und den Respekt eines Kindes“ erzeugen würden, trägt Scientology natürlich nicht in die Öffentlichkeit. Seit der Aufzeichnung dieser Protokolle dürfte sich an den Praktiken der SO nichts Wesentliches geändert haben. Das zeigt auch der Erfahrungsbericht einer 17-Jährigen, die von ihrer scientologischen Nachhilfelehrerin zum „Auditing“ überredet wurde. Anlass des „Auditing“ war die von der jungen Frau als besonders belastend empfundene Trennung von ihrem Freund. Das Prozedere beschrieb sie wie folgt:

„Immer und immer wieder musste ich die Geschichte wiederholen. Dutzende Male. Bis ich nicht mehr konnte. Das war unglaublich schlimm für mich, so schlimm, dass ich in Tränen ausbrach. Danach habe ich mich geweigert, jemals wieder zum Auditing zu gehen.“ [ „Ausgepresst wie eine Zitrone“, Focus-Schule Nr. 5/2006. ]“

Verfassungsschutz BW „Psychische und gesundheitliche Risiken für Kinder in der SO“

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