Der perfekte Soldat?

Was wird aus einem scientologischen Kind, wenn aus ihm ein erwachsener Scientologe geworden ist? Ob aus diesem Kind ein neuer David Miscavige wird oder der „perfekte Soldat“, der ohne emotionelle Regungen agieren kann, im Kampf für Scientology?

Scientology stellt die Familie in den Hintergrund, die Kinder werden von außenstehenden Personen ohne Liebe und Zuneigung erzogen. Die Kinder lernen kritiklos Befehle zu befolgen. Ihre eigene Meinung zählt in Scientology nicht. Sie lernen Macht anzustreben und andere Menschen zu beherrschen. Sie lernen in Scientology nicht liebevoll mit anderen Menschen umzugehen. Auch die Familie ist für „Scientology-Kinder“ nicht wichtig, da sie nie ein „normales“ Familienleben kennenlernen durften. Scientology möchte aus den Kindern neue „Herrschaftsmenschen“ heranzüchten, die die Welt beherrschen sollen, eine Welt in der es z.B. keine kranken, behinderten, schwachen Menschen geben darf.

Kurt-Helmuth Eimuth sieht dieses ähnlich.

„Die Kinder werden von klein auf in ein gedankliches System gequetscht, das sie einer zum sozialen miteinander verpflichteten Gesellschaft entfremdet. Scientology lehrt wie kaum eine andere Organisation den nackten Sozialdarwinismus. Dies verträgt sich mit dem Anspruch, mündige, soziale, verantwortungsbewusste Menschen zu erziehen, so wie Licht und Schatten. Entweder werden Kinder zu kritischen, selbständig denkenden Erwachsenen, oder sie werden zu einer Art scientologischer `Übermensch´, die andere Menschen `handhaben´, kontrollieren wollen.“(Eimuth, Kurt-Helmuth, Die Sekten-Kinder, 2. Aufl., Freiburg, Basel, Wien, 1997, S. 109f)

Eine wichtige Frage, bleibt aber momentan ungeklärt, wie ein Mensch lebt, handelt fühlt und denkt, der in Scientology aufgewachsen ist bzw. kann dieser Mensch überhaupt von Scientology unabhängig agieren. (Vgl.: Arbeitskreis „Contra Scientology“, Referat: Probleme der scientologischen Kindererziehung, o.J.; Bundeisnnenministerium Bayern: “Was ist Scientology?“) Diese Fragen können momentan nur Aussteiger beantworten, die aber selber nicht in das „System Scientology“ hineingepaßt haben, sie können auch nicht ganz die Frage klären, wie ein Mensch, der in das System hineinpaßt, handelt oder sich dabei fühlt. Die Frage ist, ob so ein Mensch überhaupt „herangezüchtet bzw. -erzogen“ werden kann.