Kinder in Scientology, die 2. und 3. Generation

Sekten sind auf der Suche nach neuen Mitgliedern und machen auch vor unseren Kindern nicht halt. Kinder sind für Sekten ein lukratives Geschäft, denn auf diesem Wege erreichen sie auch die Eltern. Scientology ist u.a. im Nachhilfebereich aktiv tätig.

Am allerschlimmsten ist es für die Kinder, die in Kulte und totalitäre Gruppen hineingeboren wurden. Die früheren „Jugendsekten“ befinden sich in der zweiten bzw. dritten Generation. Sektenkinder aus der Elterngeneration der 70er Jahre sind Erwachsen und vielleicht schon selber Eltern. Die Sekten, auch Scientology sind immer mehr mit dem Problem der wachsenden Kinderschar konfrontiert, dies ist zum Teil auch so gewollt, denn diese Kinder sind von klein auf an die scientologischen Denkweisen und Techniken, wie z.B. das Auditing gewöhnt. Auch sind sie mit der Sekten eigenen Sprache und Regeln aufgewachsen. Jedoch schreibt der Sektenexperte Hugo Stamm in seinem Buch „Sekten – im Bann von Schutz und Macht“, „trotz Bewußtseinskontrolle springen Sektenanhänger, die in einem Kult aufgewachsen sind, als Erwachsene häufiger ab, als man auf Grund der umfassenden Indoktrination erwarten würde.“ Dies bedeutet für unsere Gesellschaft ein Problem, denn diese ausgestiegenen Menschen brauchen ganz besondere Hilfe um ein „normales“ Leben führen zu können. Falls diese Menschen einen Ausstieg schaffen, Scientology wird alles mögliche tun um dies zu verhindern; laufen sie Gefahr sozial und psychisch auffällig zu werden. Jahrzehntelang lebten sie in einem geschlossenen sozialen System. Nun sind sie auf sich selbst gestellt. Sie füllen sich einsam und verlassen. Äußern sie sich öffentlich gegen Scientology werden ihre engsten Verwandten, ihre Eltern und Geschwister jeglichen Kontakt abbrechen. Sie werden zu SP’s zu Unterdrückerischen Personen erklärt.

Scientology bot in der Vergangenheit den Aussteigern ein Gefühl der Geborgenheit, sie fühlten sich vermutlich aber auch erhaben, sie gehörten einer elitären Gruppe an, deren Sinn und Zweck es ist „die Welt zu klären“ bzw. zu retten. Durch diese Rettung blieb ihnen nicht mal mehr viel Zeit für sich selbst. Der Preis den die Sektenmitglieder zahlen müssen ist die Verdrängung der eigenen Identität. Dies macht sich z.B. auch an den den Uniformen bemerkbar, die die Mitglieder der scientologischen Eliteorganisation Sea Org tragen müssen. In der Sea Org wird ein Arbeitsvertrag nicht nur für dieses Leben geschlossen, sondern für die nächsten Milliarden Jahre.

Die Techniken, die Scientology zur Bewußtseinskontrolle seiner Mitglieder anwendet erinnert an „Gehirnwäsche bei Kriegsgefangenen“ (Hugo Stamm, „Sekten – Im Bann von Sucht und Macht). Auch Professor Hans Kind, hat in einem Gutachten Ähnlichkeiten aufgezeigt und dokumentiert. Dabei bezog er sich auf Sekten eigene Literatur und auf eigene Untersuchungen der psychischen Reaktionen von ehemaligen Scientologen. Seine Erkenntnis: Die Therapietechnik des Auditings versetzt die Scientologen in hypnoseähnliche Zustände. Kinder, die in Scientology hineingeboren sind, werden schon seit ihrer Geburt und sogar schon vor der Geburt auf die Gehirnwäsche durch das Auditing und durch die anderen scientologischen Techniken vorbereitet.

Um die scientologische Ausbildung der Kinder zu gewährleisten, werden diese schon in jungen Jahren auf scientolgisch geführte Schulen geschickt. Diese sind in Deutschland nicht gestattet, aber die Kinder werden z.B. auf Scientology Schulen in Dänemark geschickt. Besondere Eliteschulen für scientologische Kinder gibt es u.a. in Saint Hill, Großbritanien und in den USA. Sie werden Cadet Orgs genannt.

Weil geschulte Sektenmitglieder hohes Ansehen genießen, stufen die Eltern die Sektenerziehung höher ein als die Familienbande. Scientology lockert mit der Trennung von Kind und Eltern die emotionalen Bindungen. Familiäre Gefühle können der Sekte gefährlich werden, weil sie ein Gemeinschaftsgefühl außerhalb von Scientology vermitteln können. Außerdem können die Eltern durch die Fremd – Erziehung ihrer Kinder ihre Zeit voll und ganz der scientologischen Rettung der Welt und ihrer eigenen scientologischen Kariere widmen. Dies kann bei Scientology bis zu 70 Wochenstunden sein.

Die enormen Bemühungen der Sektenfänger um Kinder und Jugendliche zeigen: Die Indoktrination in den Cadet Orgs und in den scientologisch geführten Schulen und Internaten ist die effektivste Art Menschen in Scientology zu beheimaten.

L. Ron Hubbard wird aus der Sicht der jungen Scientologen als „göttlicher Übervater“ angesehen, in jeder Org gibt es für den verstorbenen Sektengründer ein Büro. Die Kinder und Jugendlichen folgen Hubbard als sog. Homo Novis (Übermenschen). Sie können eine Beziehung zu ihrem „göttlichen Übervater“ aufbauen, die rein ist und nie von Konflikten ihm gegenüber getrübt sein wird. Hugo Stamm erklärt hierzu:“Dieser Übervater dient auch als Mutterersatz, erlaubt eine symbiotische Beziehung und befriedigt den Wunsch nach mystischer Verschmelzung.“ Die Gruppe erscheint als ideale Gesellschaft von Brüdern und Schwestern, die alle von der gleichen Idee beseelt sind und die alle das gleiche Ziel haben, die Welt zu retten. Scientology bietet, aus der Sicht eines Scientologen betrachtet, die perfekte Familie.

In dieser „Scheinwelt“ können Eltern selbst die grausamsten Anordnungen noch als spirituelle Notwendigkeit schmackhaft gemacht werden. Die scientologischen Kinder sollen ja in einer „reinen“ bzw. “geklärten” Umwelt aufwachsen. Sind die Eltern sehr in der scientologischen Gruppe und Gedankenwelt eingebunden, dann scheint es so, als könnten Eltern ihre „Elterngefühle“ problemlos ohne Schuldgefühle unterdrücken. Hierzu ein Beispiel: “Kindern wird auch der Umgang mit ihren Eltern verboten bzw. den Eltern wird der Umgang mit ihren Kindern verboten, da die Kinder der Grund für Probleme des Erwachsenen sind. Diese Kinder sind eine „unterdrückerische Person“ für ihre Eltern und behindern das Fortkommen ihrer Mütter in Scientology. U.S. Sonntag, der gesagt wurde, daß ihr Sohn eine unterdrückerische Person sei, wurde das von Seiten der Org an einem Beispiel gezeigt. Unten „…in dem italienischen Restaurant einen Stockwerk tiefer als die Org saß ein kleiner Junge an einem Tisch allein und aß, seine Mutter saß getrennt von ihm an einem anderen Tisch, man sagte mir, der Junge wäre der `Unterdrücker´ seiner Mutter, und die Mutter muß ihn handhaben und sich von ihm trennen, um weiter zu kommen.“

Scientology versteht es Ängste und seelische Defizite auszunutzen. Mit ihren Indoktrinationsmethoden legt Scientology den Finger auf die seelischen und sozialen Wunden ihrer Mitglieder und erschwert einen Ausstieg, da die Scientologen glauben nur Scientology bietet ihnen ein zu Hause, eine Familie oder einen geschützten Raum. Gerade für die Scientologen in der 2. oder 3. Generation muss die Außenwelt (genannt WOG – Welt) fremd und andersartig vorkommen.

Wies sieht die Zukunft der „Scientology Kinder“ aus? Wenn ihnen der Ausstieg wirklich gelingt, dann sind sie auf Hilfeeinrichtungen, Sektenberatungsstellen und spezielle Rehabilitationseinrichtungen angewiesen. Sollte es den „Scientology Kindern“ nicht gelingen auszusteigen, werden sie wahrscheinlich Führungspostionen übernehmen, weitere Indoktrination und Leid bringen und durch sie wird eine weitere Generation von Scientologen heranwachsen.

In jedem Fall ist der Ausstieg aus Scientology für diese Menschen ein sinnvoller und richtiger Weg, denn nur so können sie ein Leben in wirklicher Unabhängigkeit und Freiheit genießen. Dies wird von Aussteigern immer wieder betont. Das ist der einzig wahre Weg zum Glücklichsein und die Brücke zur wirklichen Freiheit.